H. C. Artmann ist H. C. – Weiter niemand

Posted on 30. November 2010

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H. C. Artmann ist H. C. und weiter niemand, war sofort zu denken, bei der Aussage von Erwin Steinhauer im heutigen Morgenjournal, H. C. Artmann sei nun eigentlich …, also mit ausgesprochenen Vornamen, zu nennen, weil H. C. beschmutzt sei …

Erwin Steinhauer sprach an deplazierter Stelle von Heinz Christian Strache, allerdings ohne Heinz Christian Strache direkt zu nennen … Damit brachte Erwin Steinhauer Heinz Christian Strache eine unnötige Morgengabe, trägt damit lediglich zur Omnipräsenz des derzeitigen Obmannes der Partei, deren Personal FPÖ, BZÖ und FPK betreibt, bei …

Und es ist schlimmer noch … Erwin Steinhauer sagte nicht dazu, daß er Heinz Christian Strache meine. Er geht somit davon aus, daß sofort, von allen, gewußt wird, von wem die Rede sei, wird H.C. gesagt …

Es ist H. C. Artmann nicht sein H. C. zu nehmen, sondern es ist Herr Strache als Heinz Christian zu vermessen … Heinz Christian ist der seiner Bedeutung rechte Vorname für Herrn Strache, ein Vorname als Lachgarantie auf dem Boulevard, wie Karl Friedrich in der Piefke-Saga … Heinz Christian Strache ist auch nichts weiter als ein Tourist im Politischen …

Erwin Steinhauer sprach darum an deplazierter Stelle von Heinz Christian Strache, weil es um Kultur, um Literatur ging … Im Grunde aber ist jedwede Stelle eine deplazierte, um Heinz Christian Strache zu erwähnen; denn es ist eine gute Sitte, in jedwedem Gespräch sich ausschießlich auf Gehaltvolles zu beziehen, Menschen zu erwähnen, die inhaltlich förderlich sind …

Aber Heinz Christian Strache selbst, tauglich als Lachgarantie auf dem Boulevard? Vielleicht in Laienpossen auf den Buden, aber diese sollen sich die Schafter selber schreiben und vorfechten, in ihren Kellern …

Wie wichtig es ist, Erwin Steinhauer, weder den eigenen Namen noch den Namen eines geliebten Dichters (gar noch freiwillig) nehmen zu lassen, wußte bereits und sogar Josef Weinheber, hochgeehrter Lyriker des Deutschen Reiches. In dem vom akademischen Gemeinschaftsverlag Salzburg 1959 herausgegebenen Buch Bekenntnis zu Josef Weinheber schreibt Heinrich Zillich:

Als Goebbels bei einem Bankett sprach, hörte ihn Weinheber, die Hand unterm Kinn, aufmerksam, obschon vom Weine beschwingt, an. Gefiel ihm ein Satz, rief er wohlwollend: »Bravo, Josef!,« rief es immer wieder […].  Plötzlich aber trat ein großes Erstaunen in Weinhebers Gesicht, von einer Erleuchtung heimgesucht, hob er das Haupt, blickte herrscherlich rundum und verkündete laut: »Ja, aber – der Josef, der bin ja i!«

In diesem Buch aus Salzburg, in dem es, wie vor kurzem zu lesen war, heute der Großteil der Leser und Leserinnen der älplischen Website beheimatet sein soll, kommen viele der Dichter mit ihren seligen Erinnerungen vor, die heute von ZZ (Zur Zeit) der Vergessenheit entrissen werden will, wie etwa Erwin Guido Kolbenheyer

Und in diesem Buch ist auch etwas über 1848 zu erfahren, über das Jahr, auf das sich die Burschenschaften zum Zweck der Eigenausstellung eines Persilscheins fortwährend beziehen. Hans Friedrich Blunck schreibt in seiner Widmung an seinen toten Freund Josef Weinheber:

Ich weiß, daß ich einmal lange mit Weinheber über jene geschichtliche Freundschaft sprach, die wir in Schleswig-Holstein Österreich entgegenbrachten, nicht nur als dem Wächter deutschen Kaisertums, um das wir, Hansa und Nordmarken, lange einsam auf uns selbst gestellt, so schwer gerungen haben. Auch im letzten Jahrhundert waren wir einander noch zweimal nahegekommen. So in der Zeit von 1848, als unsere und Österreichs Besten sich in Frankfurt begegneten. Sie vor allem waren die Träger jener religiös unterbauten Demokratie, die nicht der Masse, sondern der Überlieferung und ihren Führern die Macht in dem erträumten neuen Reich zuwies.

So in der Zeit von 1848 … nicht der Masse, sondern ihren Führern die Macht in dem erträumten neuen Reich …

Während die Masse zum Krepieren sich befehlen ließ, hatte Hans Friedrich Blunck, Altpräsident e.h. der Reichsschriftumskammer, im Jänner 1940 schwerwiegende Sorgen, wie in Literatur und Dichtung im Dritten Reich von Joseph Wulf nachgelesen werden kann, in seinem Schreiben an Hanns Johst:

Als ich im Jahre 1935 die Leitung der Kammer an Dich […]  Aus naheliegenden Gründen habe ich damals vorgeschlagen, die Bezeichnung «Altpräsident e.h.» zu wählen, eine Form, die im westdeutschen Sprachgebrauch nicht selten. Eine andere Ausdrucksweise schien mir bei meiner Jugend nicht verfrüht, auch war meine Arbeit noch nicht abgeschlossen. Unglücklicherweise unterlief dann bei der maßgeblichen Veröffentlichung im «V. B.» wie auch an anderen Stellen ein fataler Druckfehler. Man schrieb statt Altpräsident e.h. «Alterspräsident e. h. der Schriftumskammer», eine Bezeichnung, gegen die in in diesen fünf Jahren vergeblich gekämpft habe. Der Irrtum scheint unausrottbar. In Deutschland hat er keine weitere Bedeutung und schadet nicht. Aber bei meiner Arbeit im Ausland wirkt er sehr unerquicklich. Meist fangen Veröffentlichungen und Begrüßungsnotizen damit an, daß der «greise Alterspräsident der Schriftumskammer» selbst noch einmal die Reise gewagt habe und dergleichen mehr.

Ist die Volksmasse einmal hinausgeschickt, zum Töten und zum Selbstöten, geht der Kampf in der Heimat dennoch weiter, gegen unerquickliche Druckfehler … Und der Kampf gegen Druckfehler endet nie, wie immer wieder gelesen werden kann, und stets sind es Österreichs Besten, die, auch heute weiter, auserwählt sind, Opfer der Fehler …

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