Engelbert Dollfuß oder die Liebe zu den »Überhitlern«

Posted on 11. Juli 2010

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Geschichte sorgte in den letzten Tagen in Österreich, wieder einmal, für Aufregungen, und weshalb? Weil Geschichte, nach wie vor, parteipolitisch geknebelt wird, Geschichte selektiv gebraucht wird, um beispielsweise parteipolitisch liebgewordene Lügen Generation für Generation weiterzusagen, weltanschauliche Traditionen zu pflegen, die das Potential haben, jederzeit wieder organisierte Massenmorde …

Von den Höchsten in der ÖVP bis zu den …

Seit Jahrzehnten wird Jahr für Jahr etwa Leopold Kunschak, einem Antisemiten nach Auschwitz, ehrend gedacht …

Und aktuell bringt Gerhard W. Loub, er ist kein Vizekanzler, er ist kein Minister, die liebgewordene Lüge, Engelbert Dollfuß sei das erste Opfer der Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten gewesen, schreibt Gerhard W. Loub Engelbert Dollfuß hoch zu einem ehrenwerten Mann, der es verdient, daß ihm liebevoll gedacht wird, mit einer christlichen Messe im Bundeskanzleramt …

Selbstverständlich war Engelbert Dollfuß ein Opfer, selbstverständlich wurde Engelbert Dollfuß von Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen umgebracht. Aber wo geschah dieser Mord? Der Mord geschah in der Familie. Die Brüder und Schwestern von Engelbert Dollfuß haben ihren eigenen Bruder umgebracht. Von daher ist es natürlich der Familie unbenommen, auch heute noch, Engelbert Dollfuß christliche Messen zu lesen, aber die Forderung, ein ganzes Land soll sich im Bundeskanzleramt versammeln, um Engelbert Dollfuß, auch heute noch, zu ehren, ist nicht nur eine überzogene, sondern eine gänzlich unangebrachte Forderung.

Den Opfern der Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten auch des Jahres 1934 ist zu gedenken, zum Beispiel dem Gendarmen, der von Nationalsozialistinnen und Nationalsozialisten ermordet wurde. Aber an diesen Gendarmen wollen Christsoziale nicht erinnern, im Bundeskanzleramt, vielleicht deswegen, weil Robert Haider, der Vater eines Bruders aus späterer Zeit dabei war?

Es gibt einen tiefen Graben, wie Gerhard W. Loub seinen struggle blog für Engelbert Dollfuß betitelt. Es ist der Schützengraben von damals, in dem die Christsozialen, nach wie vor, auf den Geschichtsbüchern stehen, die sie aber weiterhin nicht zum handlungsanleitenden Lesen verwenden, sondern die sie aufgestapelt haben, um aus dem Schützengraben herauszusehen, um besser schießen zu können … Wenigstens verwenden die Christsozialen als Munition nur mehr Wörter … Das ist ja schon, nicht unbedingt ein Fortschritt, aber immerhin ein mordfreier politischer Katholizismus …

Was aber ist, muß nicht so bleiben …

Die erste Munition sind aber stets die Wörter, wie Geschichte nicht lehrt, aber nachgelesen werden kann …

PS Zum tiefen Graben gibt es noch eine Variante, die angeführt werden kann. In dem tiefen Graben sitzen friedlich beieinander Christsoziale und Sozialdemokraten und finden eine, manche würden sagen, typisch österreichische Lösung: Gedenkmesse im November für alle Bundeskanzler, Engelbert Dollfuß schön versteckt unter allen Bundeskanzlern, jener Engelbert Dollfuß, der 1933 alles selber machen wollte, was die Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen versprachen; freilich, Engelbert Dollfuß hatte dafür ein hehres Motiv: die braune Welle nur auffangen zu wollen, mit einem rücksichtslosen Vernichtungskampf gegen

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