Hat die Sehnsucht nach der Reaktion auch für die Kunst bereits das MAK erreicht?

Posted on 13. Mai 2010

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Der politischen Bewertung des Gezeigten enthält sich die Schau. Die Ausstellung ist „in keinster Weise als politisches Statement zu sehen“, so der MAK-Direktor Peter Noever, „sondern einzig und allein als Chance zur Auseinandersetzung mit der idealisierenden Kunst der Demokratischen Volksrepublik Korea, die kaum bekannt ist“. Besuchern bietet sie die Möglichkeit, sich über die künstlerischen Äußerungen ein eigenes Bild von dem abgeschotteten Land zu machen.

Dieses Zitat aus dem Architektur-Magazin Build offenbart die gesamte Misere des Denkens, das dem Plan, eine derartige Ausstellung im MAK zu organisieren, zugrundeliegen mag.

For the Mansudae Art Studio members this comment is a particular source of pride and inspiration. Some remarks by Kim Il Sung first and Kim Jong Il later have determined the course of North Korean painting. It was Kim Il Sung who, in the 60s, made oil painting acceptable, and, in the 70s, landscape a worthy subject. Prior to these endorsements, the traditional ink painting enjoyed virtual exclusivity and the subjects were almost only political and social. Moreover, it was Kim Jong Il who said: “A picture must be painted in such a way that the viewer can understand its meaning. If the people who see a picture cannot grasp its meaning, no matter how talented its creator, they cannot say it is a good picture,” thus barring the road to abstract, conceptual and similar experiments by North Korean artists.

Was also wird durch die Kunst in Nordkorea idealisiert? Keine andere als eine, die im Westen, zum Beispiel in Österreich, von den reaktionärsten Kräften nach wie vor als ideale Kunst verherrlicht und deren breite Rückkehr nach wie vor gefordert wird. Welche Künstler und Künstlerinnen werden gewünscht? Wie diesem englischen Zitat zu entnehmen ist, sind es die Künstlerinnen und Künstler, die gehorsam und ohne Einschränkung sagen: Führer, denke für uns, Führer, inspiriere uns, Führer, male uns dich

Es bedarf keiner politischen Bewertung des Gezeigten mehr, weil diese Ausstellung an sich bereits durch die Ankündigung politisch wertet: der tote, aber politisch ewiglebende Diktator und der Sohn als Diktator werden verharmlosend bezeichnet als höchste Führungspersonen, es wolle lediglich Kunst und Kunstproduktionen auch in solchen politischen Systemen zur Diskussion gestellt werden, die sich vom im Westen als ideal geltenden Muster deutlich unterscheiden

Zu sehen sein wird in dieser Ausstellung nicht eine fremde Kultur, sondern eine industriell hergestellte Propaganda, die für eine Diskussion über Kunst nichts hergibt, weil diese, wie gehofft wurde, im Westen längst überwunden ist.

Das zusätzliche Argument für eine Ausstellung, die Kunst einer Diktatur sei kaum bekannt, hält als Argument nicht stand; denn im Zeitalter des Internets ist alles bestens bekannt, für jene, die sich informieren wollen, auch über die industriell hergestellte Propaganda einer Diktatur. Was sind 100 Bilder im MAK gegen die umfassenden Informationen im Internet? Wie viele werden die Ausstellung im MAK sehen? Wie viele haben sich bereits über das Internet kundig gemacht?

Was bleiben wird von der Ausstellung im MAK?

Ein gutes und willfähriges Propagandamittel für das nordkoreanische Regime, für vor allem im nordkoreanischen Inland ...

Denn nicht einmal die Leistung, die erste Ausstellung außerhalb Nordkoreas, wie Peter Noever am 20. März 2010 gegenüber Andrea Schurian in der Tageszeitung Der Standard angibt, zu sein, kann als Leistung geltend gemacht werden, die Beschäftigung im Westen findet längst schon statt: Kitsch Jong-il

Mehr also wird nicht bleiben: ein gutes und willfähriges Propagandamittel für das nordkoreanische Regime, für vor allem im nordkoreanischen Inland ...

Posted in: Politik