Obszön diktatorischer Blumensalat von Peter Noever

Posted on 11. Mai 2010

1


 

Die Welt beendet die Visionen des Direktors mit gnadenlos töricht,

und davor

trauten wir unseren Ohren kaum, als Noever unter dem Motto „Gnadenlos. Visionär“ die Werkschau „Blumen für Kim Il-sung. Zum Gesamtkunstwerk Nordkorea“ ankündigte, naturgemäß ein Gemeinschaftsprojekt mit der Nationalgalerie in Pjöngjang. „Erstmals sind die Originalwerke in einem ausländischen Museum zu sehen“, wird voll Stolz auf die Pioniertat vermeldet. Nichts spricht dagegen, etwa die verblichene Architektur des Stalinismus in einer Retrospektive zu zeigen und zu analysieren. Aber das angebliche „Gesamtkunstwerk Nordkorea“ in dessen brutalster Blütezeit in den Mittelpunkt zu rücken, wirkt obszön. Mit ähnlichem Recht hätte man anno 1936 das „Gesamtkunstwerk des Dritten Reichs“, von Leihgaben aus Berlin beschickt, in europäischen Metropolen ausstellen können. Als Kuratorin bestens geeignet: Leni Riefenstahl.

Nordkorea ist eine lückenlos überwachte Diktatur, die so genannte „Demokratische Volksrepublik“ ein Terrorregime, verschärft durch Massengehirnwäsche. Dort gibt es keinerlei sichtbare bildende Kunst in irgendeinem akzeptablen Verständnis, einzig und allein Propaganda, Folklore und aberwitzige Verherrlichung des kommunistischen Staatsgründers, des 1994 verstorbenen „Ewigen Präsidenten“ Kim Il-sung. Sein Sohn, Kim Jong-il, hat es inzwischen, wie der Herr Papa, vom „geliebten“ zum gottgleichen „Großen Führer“ gebracht. Gemessen an Nordkorea war der Personenkult rund um Väterchen Stalin – wienerisch gesagt – ein „Lercherlschaas“. Solch monströser, menschenverachtender Groteske eine renommierte Bühne zu bieten, ist nicht visionär, bloß gnadenlos töricht.

Posted in: Politik