Österreich ist keine Nation der Kultur, sondern eine der Seitenblicktur

Posted on 19. Januar 2010

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Vor wenigen Tagen fragte Gerald Bast in einer Presseaussendung, ob Österreich denn eine Kulturnation sei, oder was für eine Kulturnation Österreich sei, ob Kunst und Kultur je wieder eine aktive …

Diese Fragen sind leicht zu beantworten.

Österreich ist eine Seitenblickturnation

Österreich ist eine Seitenblickturnation, und mit dieser Definition sind zwar die vielen Fragen, die Gerald Bast gestellt hat, nicht beantwortet, aber es wird ein wenig verstehbarer, das unappetitliche Treiben in Österreich, durch die Hauptbewegung im Nationaltanz: Zur Seite blicken …

Immer zur Seite blicken, wenn gefordert ist, zu antworten. Immer zur Seite blicken, wenn Handlungen gefordert sind. Immer zur Seite blicken, wenn Konsequenzen gefordert sind.

Östereich ist eine Seitenblickturnation, und diese Definition bestätigt auch der Österreichische Rundfunk aktuell durch die Wahl zum Publikumsrat.

In der heutigen Post war das Formular für die Wahl zum Publikumsrat des ORF. Diese Wahlunterlage der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt des Staates Österreich bestätigt,

in Österreich gibt es keine Kunst,

in Österreich gibt es keine Kultur.

Es gibt für den ORF die Bereiche Bildung, Jugend, Ältere Menschen, Eltern bzw. Familien, Sport und Konsumenten.

Jedoch:

es gibt für den ORF keinen Bereich Kunst,

es gibt für den ORF keinen Bereich Kultur.

Aber selbstverständlich, wird es heißen, ist Kunst und Kultur berücksichtigt.

In dieser Wahlunterlage wird dem Publikum der Stellenwert von Kunst und Kultur klar vor Augen geführt. Insofern werden Kunst und Kultur tatsächlich bemessen:

Aufgrund meiner jahrzehntelangen Erfahrung als Künstlerin, aber auch im Management hoffe ich, einiges zum Thema Bildung und Kultur im ORF beitragen zu können.

Einmal also wird Kultur in dieser Wahlunterlage direkt genannt, an zweiter Stelle. Von Marika Lichter. Von einer Kandidatin für den Publikumsrat, die, spräche sie nicht selbst davon, nicht als Künstlerin bekannt ist, sondern vornehmlich als Seitenblickerin der gleichnamigen Fernsehgesellschaft. Marika Lichter habe, war auch in dieser gleichnamigen Sendung einmal zu hören, vor Jahrzehnten gesungen. Menschgemäß darf Marika Lichter sich als Künstlerin sehen, sich als Künstlerin bezeichnen. Aber was für eine Vorstellung von einem Künstler und von einer Künstlerin der ORF dem Publikum verkauft, ist das Entscheidende. Wie Künstler, Künstlerin im ORF selbst definiert wird, ist das Entscheidende, das Entlarvende.

Es stellt sich der Wahl, wird es heißen, ja noch ein Künstler, der Regisseur, Autor und Freischaffender ist. Ja, welch eine Vielfalt: Gerhard Tötschinger, nominiert durch den Seniorenbund, für den Bereich Ältere Menschen. Film, Literatur, wird es heißen, sei mit Gerhard Tötschinger also ebenfalls gut abgedeckt. Gerhard Tötschinger mag es als beleidigend lesen, aber auch er ist vornehmlich als Seitenblicker bekannt und als Seitenblicker vor allem als Mann an der Seite …

Und es wird heißen, selbstverständlich gibt es den Bereich Kunst. Für den Bereich Kunst könne der Bundeskanzler, wie es im entsprechenden Gesetz heißt, Vorschläge für die Bestellung eines repräsentatives Mitgliedes einholen. Im derzeitigen Publikumsrat sei ja auch ein repräsentatives Mitglied für den Bereich Kunst vertreten: Dr. Franz Medwenitsch. Möglicherweise gibt es derzeit tatsächlich keine größeren Künstlerinnen als Juristinnen, keine größeren Künstler als Banker mit ihren kreativen Buchführungen.

Für Kunst, Jugend stellt sich die Frage: Vertreten werden oder nicht vertreten werden. Und für Anja Hasenlechner: Vertrete ich, und wenn ja, wen.

Möglicherweise wird hier beim Begriff Kunst zu sehr auf das Märchen vergessen, und im ORF für Kunst generell die Gattung Märchen verwendet. Dann allerdings wäre die Kunst wahrlich sehr gut vertreten, durch die römisch-katholische und durch die evangelische Kirche, die je, wie es im entsprechenen Gesetz heißt, ein Mitglied direkt zu bestellen ermächtigt sind. Möglicherweise sieht Anja Hasenlechner, die in der Liste als Mitglied für den Bereich Kunst geführt wird, derart die Kunst bereits überpräsentiert, daß sie selbst es auf ihrer Website vorzieht, in ihrem Lebenslauf zu schreiben, sie sei Mitglied für den Bereich Jugend …

Posted in: Politik