Grüne Sehnsucht im schwarzbiederen Land

Posted on 18. Januar 2010

0


 

Es sind hehre Anliegen, für die sich Angehörige der Grünen einsetzen. Es ist beispielsweise ehrenwert, gegen die Erfindung dieses neuen Meldezettels zu sein, für die Bürokratie und Boshaftigkeit zu gleichen Teilen verantwortlich zu sein scheinen.

Und zugleich zeigen die Einwände gegen den neuen Meldezettel, wie etwa von Marco Schreuder vorgebracht, daß es nur noch darum geht, ein respektiertes Leben, ein akzeptiertes Leben, ein diskriminierungsfreies Leben in den geordneten Bahnen der christlich determinierten Familie führen zu dürfen.

Ein respektiertes Leben, ein akzeptiertes Leben, ein diskriminierungsfreies Leben hat menschgemäß den höchsten Wert, für den es lohnt, stets sich massiv einzusetzen.

So bürokratisch und boshaft die Erfindung des neuen Meldezettels zu sein scheint, so bieder liest sich der Vorschlag, die eingetragene Partnerschaft auf dem Meldezettel zwar angeführt belassen, zugleich jedoch die damit in Verbindung zu bringende sogenannte sexuelle Orientierung verstecken zu wollen. Denn das zeichnet die traditionelle Familie aus: Öffentlichkeit und Verstecktheit. Wer vor allem in Dörfern, in Kleinstädten, wie etwa in …, wohnt, weiß selbst, was Familien öffentlich präsentieren, was Familien versteckt leben.

Im biederen Österreich werden nun auch von Angehörigen der Grünen nur noch biedere Vorschläge unterbreitet, die Familie, die Mono-Partnerschaft also nicht mehr hinterfragt, die Familie, die Mono-Partnerschaft als das höchste zu erreichende Lebensglück, als die einzig wahre und einzig erstrebenswerte Lebensform propagiert. Bessere Mitstreiterinnen und Mitstreiter für die Familie, für die Mono-Partnerschaft, scheint es, kann die Betschaft der Einehe eigentlich nimmermehr finden.

Es wurde hier schon einmal über den Meldezettel geschrieben, daß dieser vollständig zu ändern sei, aus mehreren Gründen

Aber auch die Grünen beginnen mehr und mehr, nur noch Politik der biederen Traditionsart machen zu wollen. Sie werden allmählich mehr und mehr verwechselbar. Vor ein paar Wochen schon mußte beim Namensinsert eines neuen hohen Funktionärs besonders darauf geachtet werden, von welcher Partei er tatsächlich in das Fernsehstudio gekommen sei. Er sprach von Fristenlösung, von gleichgeschlechtlichen Ehen, aber er verwendete dabei reichlich den Konjunktiv. Forderungen, Ansprüche werden aber nicht im Konjunktiv formuliert. Den Konjunktiv verwenden auch Christlich-Soziale, wenn sie sich liberal geben möchten, im Wissen, gesetzlich sehe es ohnehin anders, konservativgemäß gut aus, und kleine rechtliche Zugeständnisse werden eventuell, möglicherweise, wenn überhaupt, im gesamten Ausmaß von in Aussicht gestellten winzigen Änderungen …

PS Wenn Berta, die im vor zwei Tagen bezogenen gemeinsamen Haushalt lebt, Zufriedenheit ausstrahlt, und auch Gelassenheit, beim großäugigen Zusehen, wie der Meldezettel ausgefüllt werden muß, ist Berta zu beneiden; denn sie ist nicht angehalten, Angaben zu ihrem Personenstand zu machen, ihre Religion zu bekennen, sich als Fremde zu outen … Und dafür, daß Berta nicht lesen kann, ist sie ebenfalls zu beneiden; denn sie muß nicht verhöhnende Ratschläge lesen, was nur getan zu werden brauche, um beim Ausfüllen eines Meldezettels nicht lügen zu müssen, nämlich sich einfach zu verehelichen …

Veranlagung der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen für das Jahr 2009 - Wie wird es für das Jahr 2010 formuliert sein?

PPS Der erwähnte grüne Vorschlag scheint als Vorbild zu haben ein Formular aus dem Finanzministerium, dem ein Christlich-Sozialer vorsteht. Das Formular für die Veranlagung 2009 erfüllt für Partner und Partnerinnen sogar mit metaphysischer Sehnsucht nach ewiger Bindung, die also auch der Tod nicht zu trennen imstande ist; denn keine Rubrik wie hinterbliebener Partner, hinterbliebene Partnerin. Es darf bereits gerätselt werden, wie die Bürokratie das Formular für die Veranlagung 2010 …

Der neue Meldezettel, dies zeigt dieses Formular für die Veranlagung sehr gut, hätte gleich anders formuliert und gestaltet werden können, wäre da nicht der Teil an …

Posted in: Politik