Papa Hahn oder die Zementierung autoritärer Politik

Posted on 17. Januar 2010

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Hahn Johannes sagte in seiner Prüfung:

Ich würde mich eher als Vater sehen, als Papa der Regionen, denn als Anwalt. Jeder Vater hat ein Interesse, dass es seinen Kindern besser geht und sie sich gut entwickeln. Aber gelegentlich muss man auch ein bissl streng sein und sagen, da und dort sind Grenzen.

Bemerkenswert an dieser hahnschen Aussage ist, daß diese von einem getätigt wird, der Philosophie studierte. Verantwortungsträger Hahn mit Philosophiestudium sagte also nicht, er würde sich als Philosoph sehen, der seine politischen Aufgaben verantwortungsvoll denkend zu erledigen vorhabe.

Notierenswert ist diese hahnsche Aussage, weil sie belegt, daß in Österreich nicht einmal Verantwortungsträger mit Philophiestudium anscheinend je davon gehört, geschweige denn gelesen haben, Verantwortungsträger sollen auch Denker sein. Die höchste denkerische Leistung österreichischer Verantwortungsträger, wie Hahn aktuell belegt, ist zu denken, ein Papa sein zu wollen.

Ein Papa aber denkt nicht. Vor allem denkt ein Papa nicht gemeinsam mit allen in der Familie. Ein Papa kann gleichberechtigtes Denken nicht dulden und nicht ertragen. Ein Papa sagt, was zu tun ist. Ein Papa sagt, was nicht zu tun ist. Ein Papa wird streng, wenn nicht getan wird, was der Papa vorgibt.

Europäische Bürgerinnen und Bürger als seine streng zu behandelnden Kinder zu bezeichnen, mag als eine schenkelklopfende Metapher in dem schlechthin typischen Fernsehpapastadl …

Wer die Leistungen von einem typischen Papa kennt, ist hochgradig gewarnt. Ein immer noch sehr weit verbreiteter Typus von Papa auch in Österreich ist eben der Vater, der sich bedienen läßt, der die Kinder züchtigt, mißbraucht, der Schulden macht, die vor allem nach einer Scheidung die Frau zu bezahlen hat, der im Wirtshaus groß alkoholgetränkt Wörter spuckt, der … Und wenn in Österreich ein Mörder gesucht wird, genügt es beinahe in allen Mordfällen, das Alibi von einem Vater zu überprüfen, um einen Mord rasch aufzuklären.

Auch die Leistungen in den letzten Jahren von Papa Hahn in Österreich selbst können, auf die Politk umgelegt, papatypisch gennant werden.

Notierenswert ist diese hahnsche Aussage auch, weil Vater Hahn nicht der einzige ist, der weiter Papa sein möchte.

Es gibt beispielsweise diesen Vulgärvergleicher als Gemeinderat der Grünen auf dem Lande, der Volksvater werden möchte …

Bemerkenswert an der hahnschen Aussage ist auch die Phrase, Papa Hahn werde auch ein bissl streng sein müssen – das Echo von a bissl brav sein, das Echo also von der Ermahnung des äußerst beliebten und einschaltquotenträchtigen Fernsehkaisers, der nun die Weihe zur höchsten politischen Autorität in Österreich empfangen darf, weil er einen Fernsehuntertanen bis zur Kenntlichkeit vorgeführt habe. Die Bedeutungslosigkeit von diesem Fernsehuntertanen bestätigt dieser Sozialheimatschafter aber mit jeder seiner Aussagen selbst, bedeutend an diesem Sozialheimatschafter ist lediglich, daß diese Partei auch mit ihm gewählt wird. Soher wurde nicht der Sozialheimatschafter vorgeführt, sondern, wenn überhaupt,  der freiheitliche Wähler, die freiheitliche Wählerin …

Notierenswert ist diese hahnsche Aussage auch, weil es sich immer mehr verdichtet, Barbara Rosenkranz werde für die Sozialheimatschaft die Wahl um das Amt des Bundespräsidenten schlagen; ihr politisches Programm ist ein idealtypisches Papaprogramm.

Notierenswert ist diese hahnsche Aussage auch, weil sogar eine sich weltoffen gebende Tageszeitung nach wie vor hartnäckig an einem anderen Papa, von dem inzwischen gewußt wird, daß er in seinem Verantwortungsbereich alles verludert hat, festhält, aktuell mit einer Umfrage, wer sei der Erbe von Haider. Diese Tageszeitung sucht also auch nur standardgemäß einen Papa. Denn politisch läßt sich eine derartige Umfrage nicht argumentieren. Es gibt kein politisches Erbe von Jörg Haider. Denn wer damit etwa die Gründung des BZÖ meint, sollte bedenken: Jörg Haider hat nur nachgemacht, was Heide Schmidt ihm vorgemacht hat. Mit einem eklatanten Unterschied allerdings: das Liberale Forum hatte ein tatsächlich gänzlich anderes politisches Programm als die FPÖ, während das BZÖ nur eines neu hatte: den Parteinamen. Ob Jörg Haider oder der aktuell vorgeführte Sozialheimatschafter: es sind Epigonen. Epigonen sind, wenn sie etwas sind, dann höchstens Erben, aber sie selbst haben nichts zu vererben. Im konkreten Fall von Jörg Haider: das ihm vererbte Bärental erben jetzt wohl seine gesetzlich vorgesehenen Erbberechtigten. Auch das Privaterbe von Jörg Haider, das jetzt irgendwer antreten wird oder bereits angetreten hat, hat Jörg Haider lediglich geerbt. Um welches Erbe kann also bei den Freiheitlichen dann eigentlich noch gestritten werden? Sie möchten nur das sein, was auch Jörg Haider ein Berufsleben lang war: ein steuergeldfinanzierter Funktionär, dessen Zeche seiner Handlungen aber andere, also die Steuergeldzahlerinnen und Steuergeldzahler wieder zu verantworten und wieder zu bezahlen haben.

Enttäuschend ist, enttäuschend ist nicht das gut bekannte papafixierte Österreich, enttäuschend ist, daß die Abgeordneten des Europäischen Parlamentes Hahn Johannes nicht mit der mündlichen Bewertung, keinen Papa haben zu wollen, empfahlen, sich um einen für ihn passenden und seinen papschen Qualifikationen entsprechenden Posten in Österreich …

Möglicherweise war Fußballer Anton Polster ein paar Tage davor mit seiner Aussage, er sehe sich als demokratischen Diktator, mehr ein Polit-Philosoph als Hahn Johannes, der vielleicht als papernder Fußballer in Gramatneusiedl einen guten Trainer … Anton Polster ist aber auch nicht der einzige nach wie vor sehr beliebte Spitzensportler in Österreich, der Diktatoren etwas abgewinnen kann …

Wie auch immer, in Österreich reicht weiterhin das Denken nur bis zur Diktatur, im Dreivierteltakt.

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