Das Verwechseln von Bildung und Gutsein

Posted on 29. November 2009

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In der Ausgabe der Tageszeitung »Der Standard« vom 27. November 2009 schreibt Gerhard Zeillinger einen Epilog zum Festkommers im symbolischen Machtzentrum dieser Republik.

Bevor etwas zum Gespenst Bildung notiert wird, ist doch festzuhalten, daß es nicht der Kommers der Burschenschaft Olympia allein in der Wiener Hofburg war, sondern es war eine Burschen- und Mädelschau, mit Auftritten von Dr. Martin Graf, weiteren Freiheitlichen und von Landsmannschaften, in den festlichen Räumen gleich neben der Kanzlei des Bundespräsidenten.

Der Historiker schreibt brav, gut, ist betroffen. Gespenstisch ist ihm die amstettnerische Welt, und er klagt. Er beklagt, so kann es gelesen werden, daß es keine politische Bildung gibt, Bildung in Österreich keinen Wert habe.

Gerhard Zeillinger kann recht gegeben werden, Bildung hat keinen Wert. Auch politische Bildung im besonderen hat keinen Wert. Nämlich dann, wenn Gerhard Zeillinger ebenfalls, wie viele,  Bildung mit Gutsein verwechselt.

Und Gerhard Zeillinger scheint dieser Verwechslung ebenfalls zu erliegen. Wenn er, so kann es gelesen werden, Bildung und besonders politische Bildung für Jugendliche fordert, somit eigentlich von Jugendlichen Gutsein verlangt.

Aber die Wertlosigkeit von Bildung für das Gutsein beweisen täglich in Österreich, um bei diesem Beispielland zu bleiben, nicht nur die einfachen Gebildeten, sondern vor allem, wie sie ehrfürchtig genannt werden, die Hochgebildeten.

Die Jugendlichen, über die Gerhard Zeillinger schreibt, sind ebenso gebildet, als Christoph Schönborn, der leitende Angstellte des absolut regierten Kirchenstaates mit Arbeitsplatz in einem demokratischen Staat, gebildet ist. Die Jugendlichen können mit ihrer Bildung das »Horst-Wessel-Lied« singen und der leitende Angestellte kann mit seiner Bildung ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte heranziehen, um sich an die Zeit der totalitären Regime im letzten Jahrhundert erinnert zu fühlen.

Viele der Jugendlichen, die heute noch derartige Lieder singen,  werden, um eine Beispielzeit anzugeben, in drei Jahren solche Lieder nicht mehr singen. Denn sie werden sich verändern,  und ein solches Lied wird sie dann langweilen. Mit Bildung oder ohne Bildung. Mit politischer Bildung oder ohne politische Bildung.

Der Hochgebildete, um beim Beispielgeber zu bleiben, wird weiter sich bilden, aber er wird sich nicht verändern, und es wird ihn weiter nicht langweilen, Vergleiche, Erinnerungen, von Medien breit unterstützt, zu grölen … Nur, woher kennt der Hochgebildete das? Wo hat er das gehört, und zwar so gehört, daß er es derart verinnerlicht hat? Wo lernt er das?

Posted in: Politik