In Österreich wird wieder etwas vergessen: den Rücktritt von Dr. Martin Graf weiter breit zu fordern

Posted on 22. November 2009

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Gestern lagerten im symbolischen Machtzentrum des österreichischen Staates in der Wiener Hofburg mit Heldenplatz die Burschenschaften. Es wurde viel dagegen vorgebracht, es wurde dagegen demonstriert.

Aber eines wurde nicht mehr gesagt, Dr. Martin Graf habe zurückzutreten.

Aber über eines wurde nicht berichtet: Dr. Martin Graf ist Herausgeber eines Buches zu 150 Jahre Burschenschaften in Österreich. Bestellungen dieses Buches direkt bei Martin Graf konnten gestern in der Wiener Hofburg abgeholt werden.

Ist es lediglich ein Vergessen, daß keine breiten Forderungen nach einem Rücktritt mehr zu vernehmen sind?

Ist es lediglich ein Vergessen, daß es keine Berichterstattung mehr darüber gibt, daß Martin Graf als Herausgeber im Ares-Verlag publiziert?

Ist es lediglich ein Vergessen, daß von Martin Graf nicht mehr breit klare Erklärungen zu den Umbruchphantasien seiner Burschenschaft Olympia verlangt werden?

Es wird in Österreich in Wahrheit nichts vergessen, sondern nur aus Opportunität so getan, als ob das Gedächtnis verantwortlich wäre, wenn etwas nicht mehr behandelt wird.

Nun scheint es opportun zu sein, etwa den Rücktritt von Martin Graf nicht mehr zu verlangen, nicht zu berichten, in welchem Verlag Martin Graf ein Buch mit welchen Autoren herausbringt, keine Stellungnahme von Martin Graf zu den Umbruchphantasien seiner Burschenschaft Olympia zu verlangen.

Es werden selbstverständlich nach wie vor Lichter gegen das Ewiggestrige der Burschenschaften angezündet. Aber auch nicht mehr viele. Gestern um 19.30 Uhr waren es wohl keine hundert Menschen, die auf dem Friedrich-Schmidt-Platz … Ob später noch, wenigstens, Hunderte von Menschen gekommen sind? Es werden selbstverständlich nach wie vor Auftritte von Freiheitlichen bei den Burschenschaften beispielsweise als peinlich bewertet. Aber ist das schon eine politische Aussage?

Es ist leicht, gegen die Burschenschaften moralisch aufzutreten. Aber schwer, politisch zu agieren. Es haben, um beim Beispielland Österreich zu bleiben, auch andere krudes Gedankengut für Gegenwart und Zukunft, über die großzügig hinweggegangen werden kann. Nur, diese Gruppen haben keinen III. Präsidenten NR als lebensgebundenes Mitglied, keine für Wähler und Wählerinnen bedenklich attraktive Partei als Fürsprecherin hinter sich …

Es sind also nicht die Burschenschaften in den Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzung zu rücken, sondern beispielsweise ein Dr. Martin Graf als III. Präsident NR …

Aber Dr. Martin Graf ist nun angekommen, in der sogenannten Realpolitik. Auch, wie es derzeit scheint, sogar schon ein wenig für die Realpolitik der Grünen.

Und so wird es verständlich, daß nicht mehr breit der Rücktritt von Dr. Martin Graf gefordert, daß er nicht mehr breit gefragt wird, ob die Umbruchphantasien seiner Burschenschaft Olympia auch seine Umbruchphantasien sind, daß über seine Herausgeberschaft nicht berichtet wird.

PS Politik und Medien wurden direkt über das herausgegebene Buch von Martin Graf informiert, ebenso wurden auch die Fragen zu den Umbruchphantasien zugesandt, die Dr. Martin Graf ebenfalls per E-Mail gestellt wurden durch Übermittlung an seine Adresse: 3pr-parlament-gv-at .

PPS Zu Beginn war vom symbolischen Machtzentrum die Rede. Es soll mit einem symbolischen Machtzentrechen, mit dem Kärntner Landhaus geschlossen werden, weil es einerseits zum Vergessen paßt, anderseits zwar keine Burschenschaften dort lagern, aber nach wie vor eine Gedenktafel am Landhaus, wie schon berichtet wurde, hängt. Und von Dörfler Gerhard aufwärts und auch Medien informiert wurden.

Posted in: Graf Martin, Politik