Volksdeutsche tanzen in Gurk auf, der Bürgermeister schreibt gegen Deserteure und die Staatsspitze gibt Ehrenschutz

Posted on 26. Oktober 2009

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Von: […]
Gesendet: Sonntag, 25. Oktober 2009
An: […]
Betreff: Leserbrief Kampl 21.10.2009

Sehr geehrter Herr Kraut,

am 21.10.2009 veröffentlichte die Kleine Zeitung in Kärnten einen Leserbrief des amtierenden Bürgermeisters der Gemeinde Gurk in Kärnten, einem gewissen Ing. Siegfried Kampl, und zwar unter dem Titel „Heikle Frage Deserteure“, siehe Anhang (Original-Scan) und hier als Text:

 „Heikle Frage Deserteure“ (Kleine Zeitung, 21.10.2009)

Das Thema Wehrmachtsdeserteure kann meiner Meinung nach nicht als Ganzes behandelt werden, dazu bedarf es der Prüfung jedes einzelnen Falles. Mord bleibt in meinen Augen Mord und darf nicht verjähren. Eine Generalamnestie ohne genaue Prüfung der jeweiligen Umstände der Desertionen darf also nicht erfolgen. Man muss unterscheiden, aus welchen Motiven jemand desertiert. Meine Aussage im Bundesrat am 16. Mai 2005, wo ein Antrag der SPÖ und der Grünen dahingehend lautete, dass alle Deserteure eine Staatsauszeichnung und Pensionsnachzahlung erhalten sollten, war, dass man jeden einzelnen Fall untersuchen müsse. In diesem Zusammenhang habe ich darauf hingewiesen, dass manche Deserteure auch Kameradenmörder gewesen sind. Schockierend war für mich bei dieser Sitzung des Bundesrates, dass ein Antragsteller vor meinem Debattenbeitrag die ehemaligen Soldaten und die Soldatenverbände mehrmals als „Mief von Österreich“ bezeichnete. Hingegen haben Deserteure dem Vaterland noch nie gute Dienste erwiesen.
Ich hoffe, dass alle Politiker des Nationalrates und des Bundesrates in dieser sehr heiklen Frage Verantwortung zeigen.

Bürgermeister Siegfried Kampl, Gurk

Er diskreditiert damit nicht nur den positiven Beschluss des Nationalrates von letzter Woche über das Aufhebungs- und Rehabilitationsgesetz, er geht sogar weiter und spricht schon wieder von „Kameradenmördern“.

Noch dazu schreibt er wortwörtlich: „Hingegen haben Deserteure dem Vaterland noch nie gute Dienste erwiesen.“

Er spricht also meiner Einschätzung nach offen von einem Vaterland „Drittes Reich“, denn genau darauf bezieht sich ja die Causa Deserteure.

Ist so ein Mensch – der offen Geschichtsrevisionismus betreibt – als Bürgermeister überhaupt tragbar?

Bitte tun Sie alles Mögliche gegen diese immer wiederkehrende Verherrlichung der Wehrmacht und der Nationalsozialisten, ich selbst kann das nicht, ich fürchte mich vor den Rechtsparteien, daher auch meine Anonymität.

Vielen Dank im Voraus und weiterhin […]

PS Zu diesem Schreiben ist ergänzend lediglich anzuführen, daß die Volksdeutschen Landsmannschaften auch in diesem September groß Gedenken in Gurk feierten. Ob auch in diesem Jahr höchste Vertreter der Republik Österreich den Ehrenschutz übernahmen, entzieht sich aus fehlendem Ansporn zur weiteren Suche am Nationalfeiertag der Kenntnis. Über den Ehrenschutz in 2005 schreibt auf DonauschwabenAt Heinz Stritzl:

Den Ehrenschutz über die Veranstaltung hatten zuletzt noch Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel, LH Dr. Jörg Haider, die LH-Stv. Dr. Peter Ambrozy und Dr. Martin Strutz, Bischof Dr. Alois Schwarz, Superintendent Mag. Manfred Sauer, die Bürgermeister Manzenreiter und Dkfm. Scheucher sowie der Vizepräsident der Provinz Udine, Dr. Benito Carlantoni übernommen.

Unter diesem Staatsspitzenehrenschutz wurde, wie Heinz Stritzl zitiert, verkündet, von einem Pater:

Wir haben nicht zu den Waffen gegriffen wie die Palästinenser.

Unter diesem Staatsspitzenehrenschutz sagt der Landtagspräsident von 2005, von Heinz Stritzl in indirekter Rede zitiert:

Es sei höchst an der Zeit die Erinnerung eines jeden zu respektieren und nicht nur das Leid von Angehörigen der Siegermächte zu beklagen.

Es werde immer nur die Hälfte der Wahrheit vermittelt, sagte Freunschlag.

So also hört sich die andere Hälfte der Wahrheit an, die vermittelt wird unter dem Staatsspitzenehrenschutz. Es werde beklagt, nur das Leid von Angehörigen der Siegermächte …

In den Vernichtungslagern des Deutschen Reiches waren also laut Jörg Freunschlag Angehörige der

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