Von der sozial-heimatlichen Vergangenheit, die wieder kommen will

Posted on 24. Oktober 2009

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Es wäre Kärnten gegenüber äußerst ungerecht, nicht, wieder einmal, daran zu erinnern, daß es auch außerhalb von Kärnten einen gutmeinenden und ehrenvollen Umgang gibt mit …

Nein, nicht etwa mit Deserteuren.

Sondern beispielsweise mit dem Leopold-Stocker-Verlag in der Steiermark mit seinen zahlreichen Auszeichnungen durch das Land Steiermark, durch die Stadt Graz und durch die Republik Österreich.

Das Land Steiermark, die Stadt Graz und die Republik Österreich wissen, wer es tatsächlich verdient, geehrt und ausgezeichnet zu werden, nämlich Menschen, die mit der Wahrheit so redlich und so sorgfältig umgehen, wie es eben einer Vergangenheit geschuldet ist, »die [ihnen] nicht vergehen will«.

Wolfgang Dvorak-Stocker schreibt in der »Neuen Ordnung«, Ausgabe III/2009:

Das dürfte auch bei einem anderen Mann der Fall sein, der gerade in Wien im Krankenhaus liegt: dem 84 Jahre alten ehemaligen KZ-Wächter Josias Kumpf. Ein Volksdeutscher, der mit gerade 17 Jahren ungefragt zur SS dienstverpflichtet wurde und seit den 50er Jahren in Amerika lebte, arbeitete, heiratete und Kinder zeugte.  […] Auch Österreich möchte Kumpf gerne loswerden, doch kein anderes Land will ihn aufnehmen. Kumpf braucht ständige Betreuung. Als klar war, daß der Staat nicht einmal die Grundversorgung übernehmen will, ließ auch die Caritas den Schwerkranken im Stich.

Die der sozial-heimatlichen Vergangenheit geschuldete Wahrheit zum Beispiel eines Wolfgang Dvorak-Stockers verlangt menschgemäß einen ebenso redlichen und sorgfältigen Umgang mit der Wahrheit der Gegenwart. Wie sehr Josias Kumpf vor seinem Tod von der Republik Österreich im Stich gelassen wurde, beweisen seine zwei letzten Wohnorte auf die bitterste Art: eine Nobelwohnung in Döbling mit 24-Stunden-Pflege und dann aufgrund seines Krankheitszustandes das AKH …

Die Stadt Graz, das Land Steiermark, die Republik Österreich zeichnet in der Tat nur Menschen aus, die sich für Menschen einsetzen, die »ein Leben lang verleugnet, verfolgt und gedemütigt« werden. So ist es menschgemäß nur folgerichtig, daß ein Buch über die Erinnerung einer Mutter an ihren Sohn im Leopold-Stocker-Verlag, der das Wappen des Landes Steiermark führen darf, erscheint, in einem Verlag also, der mit seinem politischen und historischen Programm die rechten Worte gegen »Menschenopfer« zu setzen versteht, wie sie von Wolfgang Dvorak-Stocker in diesem seinem Artikel ebenfalls beklagt werden:

Die 90jährigen Greise, die wir in Gefängniszellen sperren, und jene, die wegen „Leugnung historisch feststehender Tatsachen“ zu Haftstrafen verurteilt werden, erfüllen die Rolle von Menschenopfern […]

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