Die steuergeldfreie Erweiterung der Robert-Haider-Ausstellung

Posted on 15. Oktober 2009

1


 

Es ist ein freundliches Angebot, das Gerhard Finding als Macher der Ausstellung im Bergbaumuseum in Klagenfurt mit seiner E-Mail vom 14. Oktober 2009 unterbreitet, mit ihm gemeinsam diese anzusehen und zu besprechen, »alleine schon, weil ich glaube, dass die mediale Berichterstattung da einiges völlig verzerrt darstellt«.

Die Vorstellung jedoch, in einer Statistik als Rechtfertigung für diese Ausstellung von einem Gerhard Dörfler oder von einem Uwe Scheuch als Besucher, wenngleich nicht namentlich gelistet, irgendwann vorgeführt zu werden, bringt die Entscheidung, diese Einladung nicht anzunehmen.

»Ich versuche nichts falsch zu verstehen und auch nichts falsch darzustellen. Und sehe auch Ihre globalen Zusammenhänge. Die Kirche sollte man trotzdem im Dorf lassen.« Das schreibt Gerhard Finding ebenfalls in der oben bereits erwähnten E-Mail.

Das Malheur ist wohl, daß immer noch zu viele Kirchen in Dörfern stehen. Eine soll wenigstens hier abgetragen werden. Und durch das Veröffentlichen der E-Mail vom 14. Oktober 2009 an Gerhard Finding klar und unmißverständlich gemacht werden, worum es bei dem in Frage gestellten einen kurzen Ausstellungstext tatsächlich gegangen ist.

Und nebenbei ist es gedacht als eine Erweiterung dieser Ausstellung durch Texte, die in der Ausstellung gemäß der »verzerrten medialen Berichterstattung« inhaltlich kein Platz eingeräumt wurde, aber nicht zum Gedenken an einen Verstorbenen, sondern als nach wie vor notwendige Beschäftigung mit einer parteipolitische Figur, mit der das BZÖ weiter versucht, außerhalb von Kärnten zwar ohnehin schon erfolglos, Wahlen zu gewinnen, und die für das BZÖ weiter umsetzbares Programm sein soll.

 

Sehr geehrter Herr Finding,
 
in Bezugnahme auf Ihre zwei Antworten per E-Mail vom 12. und vom 13. Oktober 2009: es kann nur so erklärt werden, daß Sie es absichtlich falsch verstehen wollen.
 
Denn es geht nicht um die Frage, ob Robert Haider Verbrechen, die ihm persönlich zur Last gelegt werden können, begangen hat oder nicht.
 
Es geht einzig darum, daß die Aussage in Ihrer Ausstellung, die Eltern seien ein Leben lang verleugnet, verfolgt und gedemütigt worden, so nicht stimmt. Immerhin wurde Robert Haider von der Republik Österreich ausgezeichnet. Und nur in diesem Zusammenhang wurden auch die Parlamentsdokumente zitiert. Und es geht einzig darum, ein weiteres Mal aufzuzeigen, wie unterschiedlich der Umgang in der Zweiten Republik mit Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen und aufgrund der aktuellen Diskussion mit Deserteuren war und auch noch ist, vor allem von FPÖ und BZÖ federführend betrieben. Sie werden es selbst wissen, wie in Österreich Deserteure verleugnet wurden und werden, vorrangig von Angehörigen der auf zwei Parteien aufgeteilten Freiheitlichen. Es geht einzig darum aufzuzeigen, daß sogar ein illegaler Nationalsozialist, und das werden auch Sie nicht in Abrede stellen, mit dem Willen, an der Auslöschung der Ersten Republik mitzuarbeiten, von Österreich geehrt und besser behandelt wurde, als zum Beispiel Deserteure, die im Gegensatz zu Robert Haider noch weitere zwölf Jahren warten mußten, um wenigstens, wenigstens rehabilitiert zu werden. Und daß gerade die Partei von Robert Haider und von Dr. Jörg Haider heute noch entschieden gegen eine pauschale Rehabilitation auftreten.
 
Niemand wird von Ihnen als Ausstellungsmacher verlangen, „Behauptungen“, wie Sie schreiben, in einer Ausstellung zu verbreiten, aber Sie stellen zugunsten der Eltern von Dr. Jörg Haider selbst Behauptungen auf und Sie verschweigen zugunsten der Eltern von Dr. Jörg Haider. Aus Ihrer Antwort kann entnommen werden, daß Ihnen die Biographie von Robert Haider gut bekannt sein muß. Dann werden Sie auch wissen, daß Robert Haider beim VDU war und dann bei der FPÖ und auch Funktionär des Österreichischen Turnerbundes. Dann wissen Sie auch, wer der VDU war. Dann wird Ihnen nicht entgangen sein, daß der Österreichische Turnerbund allenthalben als rechtsextremistische Organisation eingestuft wurde. Auch über die Mutter von Dr. Jörg Haider wird gerade momentan positiv und breit berichtet in der Umsonstzeitung „Heute“, nämlich über das Buch mit ihren Erinnerungen an ihren Sohn Dr. Jörg Haider. Und wo erscheint dieses Buch des Ehepaares Zeppelzauer? Im Leopold-Stocker-Verlag. In einem Verlag also mit einem einschlägig bekannten Sortiment.
 
In diesem einen Text von Ihnen behaupten Sie nicht nur, daß die Eltern ein Leben lang verleugnet, verfolgt und gedemütigt worden seien, Sie behaupten auch, Dr. Jörg Haider sei „der erfolgreichste Politiker der 2. Republik“. Wie können Sie das belegen? Was verstehen Sie unter „der erfolgreichste Politiker der zweiten Republik“? Wenn Sie es auf relevante und nachwirkende gesellschaftliche, wirtschaftliche, ökologische, politische usw. Verbesserungen durch entsprechende Gesetze beziehen, werden in Österreich mit Sicherheit andere Politiker und Politikerinnen als Dr. Jörg Haider genannnt werden müssen als die erfolgreichsten, begonnen mit der politischen Generation, die etwa den Staatsvertrag erwirkten usw. Wenn Sie es allein in bezug auf Wahlerfolge meinen, wird ebenfalls nicht Dr. Jörg Haider als „der erfolgreichste Politiker der 2. Republik“ genannt werden können. Die Wahlerfolge von Dr. Jörg Haider halten einen Vergleich mit den Wahlerfolgen von beispielsweise Dr. Bruno Kreisky nicht stand, nicht einmal allein in Kärnten wird Dr. Jörg Haider „der erfolgreichste Politiker“ genannt werden können – Stichwort: die Wahlerfolge beispielsweise von Leopold Wagner. Sollten Sie es nur auf die Parteibuchwirtschaft beziehen: auch wenn es Mitglieder der Partei von Dr. Jörg Haider wieder und wieder sagen, er hätte diese beendet, es bleibt eine bloße Behauptung von diesen.
 
Sie schreiben in Ihrer Antwort vom 13. Oktober 2009, Vorwürfe gegen Robert Haider wären regelmäßig vor Wahlen von „Haider-Gegnern“ verbreitet worden. Der letzte große Bericht über Robert Haider war im „Profil“ im heurigen Sommer, 24. August 2009, aus Anlaß des Ausbruches des Krieges von 1939 bis 1945 zu lesen, also fast ein Jahr nach dem Tod von Dr. Jörg Haider.
 
Abschließend: in Ihrer ersten Antwort vom 12. Oktober 2009 schreiben Sie, Sie wollen nicht „verpolitisiert“ werden. Verzeihen Sie, aber als was sonst ist Ihre Ausstellung je gedacht gewesen? Niemand erwartet von Ihnen, wie Sie in Ihrer Antwort vom 13. Oktober 2009, schreiben, daß Sie sich an „Diffamierungen“ beteiligen. Aber von einem Ausstellungmsacher kann erwartet werden, Standards für eine Ausstellung nicht zugunsten einer bestimmten Familie aufzugeben, besonders, wenn diese durch Steuergeld finanziert wird. Denn wäre es eine rein durch die Familie Haider finanzierte Ausstellung, wäre kein Wort dagegen zu sagen. Ein jeder Mensch hat das Anrecht, auf eigene Kosten sein Leben in einer Ausstellung im schönsten Licht strahlen zu lassen, aber kein Mensch hat das geringste Recht auf Propaganda zur Erhöhung der eigenen Person: betrieben durch den Staat und finanziert mit Steuergeld, zumindest in einer demokratischen Republik.
 
In der Hoffnung, daß es nun nicht weiter absichtlich falsch verstanden werden kann,
 
mit freundlichen Grüßen,
Bernhard Kraut
 
PS Ein paar Texte zur Ergänzung der Erinnerungen in Ihrer Ausstellung:
 
 
 
 
 
Posted in: Politik