Apartheid – Großdiskonter Magnet Vorreiter für eine besondere Art der Integration?

Posted on 3. Oktober 2009

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Vorauszuschicken, um nicht mißverstanden zu werden, ist die Feststellung, es muß menschgemäß jedes Unternehmen, um erfolgreich zu sein, um erfolgreich zu bleiben, neue Produkte in sein Sortiment aufnehmen, auf Veränderungen im Konsumverhalten reagieren, und das ist so selbstverständlich wie vollkommen in Ordnung.

Hätte Peter Löcker vom Großdiskonter Magnet in der Tageszeitung »Wiener Zeitung« vom 2. Oktober 2009 nur davon gesprochen, sein Unternehmen wolle türkische und ex-jugoslawische Produkte in sein Sortiment aufnehmen, dann wäre diese seine Vorstellung des neuen Konzeptes keine Zeile für eine Überlegung wert gewesen. Vielleicht hätte die Frage beim Lesen dieses Artikels für eine Sekunde gestellt werden wollen, als einzige Reaktion und ohne Antrieb, auf diese auch eine Antwort zu finden: was sind ex-jugoslawische Produkte?

Der Großdiskonter Magnet aber hat vor, nicht nur neue Produkte in sein Sortiment aufzunehmen, sondern getrennte Einkaufsbereiche in seinen vier Märkten zu schaffen:

Ein großes Sortiment an türkischen sowie ex-jugoslawischen Produkten soll Migranten anlocken. „Türkische Produkte werden wir räumlich getrennt in einem Shop-in-Shop anbieten“, so Löcker. Diskontprodukte der Marke Clever kommen von Rewe, das „Inländer-Sortiment“ liefere der Trauner Großhändler Pfeiffer.

Die Diversität des Sortiments aber zu konzeptionalisieren, die eine Trennung zwischen Ausländer und Inländer vorsieht, ist einigermaßen irritierend. Und wird noch verstärkt durch die Anmerkung:

„Unsere Standorte sind nicht unproblematisch“ so Löcker. Die vier Magnet-Märkte in der Favoritenstraße und in der Nordwestbahnstraße in Wien sowie in Oberwart und Oberpullendorf […]

„Das Konzept ist maßgeschneidert für den Wiener Raum“, ist sich Löcker sicher. Daher sollen weitere Märkte vor allem in Bezirken mit hohen Ausländeranteil dazukommen.

 Es scheint, daß nun auch schon Lebensmitteldiskonter heimische Politik betreiben wollen, denn dieses Konzept mit vorgesehener Trennung zwischen Inländerinnen und Ausländerinnen kann nicht nur wirtschaftlichen Überlegungen geschuldet sein.

Mit Blick auf die Bevölkerungszahlen des Bundeslandes Burgenland, wo zwei der vier Magnet-Märkte verortet sind, nämlich in Oberwart und Oberpullendorf, stellt sich die Frage, wie viele Käufer und Käuferinnen von türkischen und ex-jugoslawischen Produkten kann sich der Großdiskonter Magnet in seinen geplanten räumlich getrennten Einkaufsbereichen erhoffen? Gemäß der Statistik vom 27. Mai 2009 von Statistik Austria sind im gesamten Burgenland 828 Einwohner und Einwohnerinnen aus der Türkei und 3.211 Einwohnerinnen und Einwohner sind aus Ex-Jugoslawien (ohne Slowenien). Das sind also, großzügig angenommen, 4.039 potentielle Käufer und Käuferinnen für die zwei geplanten Produktreihen. Und wie viele von diesen 4.039 Einwohnern und Einwohnerinnen aus dem gesamten Burgenland werden extra nach Oberwart und Oberpullendorf fahren, um dort in getrennten Einkaufsbereichen für Inländer und Ausländer einzukaufen? Und nebenbei: im gesamten Burgenland beträgt gemäß dieser aktuellen Statistik der gesamte sogenannte Ausländeranteil 5,2%.

Problematisch scheinen nicht die Standorte zu sein, problematisch scheint zu sein, was für Konzepte sogar schon Lebensmittelverkäufer in Österreich sich ausdenken.

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