Hohenems – Wähler und Wählerinnen belohnen Antisemitismus mit Beinahe-1.-Platz

Posted on 20. September 2009

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In Hohenems gibt es ein jüdisches Museum.

Über dessen Direktor Dieter Egger nicht, wie es jetzt so oft verharmlosend gesagt wird, einen »Judensager« geäußert hat, sondern den einer der Freiheitlichen, eben der Obmann der Freiheitlichen in Vorarlberg, antisemitisch verbal attackiert hat.

Die Freiheitlichen haben in ganz Vorarlberg ihre Wähler und Wählerinnen gefunden, bis zu 33% etwa, wie eine erste Durchsicht der einzelnen Ergebnisse in den Wahlsprengeln ergeben hat.

In Hohenems aber von 19,50 auf 37,98%, von 1062 Stimmen auf 2.526 Stimmen. Damit sind die Freiheitlichen in Hohenems knapp hinter der ÖVP mit 39,78%, beinahe also hätte es für den ersten Platz gereicht.

In Hohenems hatte die ÖVP bei der Landtagswahl 2004 aber noch 49,09%. In Hohenems verlor die ÖVP diesmal beinahe 10%. Im Vergleich: landesweit verlor die ÖVP etwa 4%, landesweit gewannen die Freiheitlichen etwa 12%, in Hohenems aber, wo der von Dieter Egger antisemitisch diffamierte Hanno Loewy ein jüdisches Museum leitet, gewannen die Freiheitlichen über 18% dazu.

Diese Zahlen sind derart auffällig (Quelle: ORF Online, 20.09.09, 20.45 Uhr), genauer: dieser überdurchschnittliche Zugewinn für die Freiheitlichen, dieser überdurchschnittliche Verlust für die ÖVP, dessen Obmann vor der Wahl eine weitere Koalition mit den Freiheitlichen nach diesem antisemitischen Ausfall wiederum eines Freiheitlichen ausschloss, daß die Gründe für den enormen Wahlgewinn der Freiheitlichen in Hohenems nicht die sachpolitischen Leistungen der Freiheitlichen sind, sondern die Belohnung für die hetzerischen Freiheitlichen ist.

Dieser Zugewinn der Freiheitlichen in Hohenems ist derart aufällig, daß auch vermutet werden kann, es ist nicht nur eine Belohnung, sondern auch eine Aufforderung und eine Warnung. Die Aufforderung nämlich: sperrt das jüdische Museum zu. 2.526 Hohenemser und Hohenemserinnen wollen es nicht weiter. Die Aufforderung an Hanno Loewy, am besten wohl in Amerika einen Arbeitsplatz zu suchen, aber nicht weiter in Hohenems zu arbeiten. Und eine Warnung für zukünftige Wahlen: wer etwas gegen die Freiheitlichen sagt, wer mit den Freiheitlichen aufgrund ihrer Hetze nicht eine Regierung bilden will, der muß in Hohenems mit einem hohen Stimmenverlust rechnen.

Und wieder einmal stellt sich die Frage, was ist schlimmer: zu hetzen oder die Hetzer und Hetzerinnen zu wählen?

Und wieder einmal stellt sich die Frage, wer ist verantwortlich, der Hetzer und die Hetzerin oder der Wähler und die Wählerin, die hetzerische Parteien wählen?

Diese Art von Fragen sind längst schon beantwortet, aber die Antworten müssen endlich breit mit Konsequenzen verknüpft werden, den Wähler und die Wählerin also nicht nach jedweder Wahl aus seiner Verpflichtung zu entlassen, den Wähler und die Wählerin also nicht nach jedweder Wahl augenblicklich für seine und ihre Wahl zu entschuldigen, den Wähler und die Wählerin also nicht nach jedweder Wahl sofort für seine und ihre Wahl von jedweder Verantwortlichkeit freizusprechen, also nicht nach jedweder Wahl augenblicklich für die Wählerin und den Wähler Entschuldigungen anzubieten, warum sie wen wählten.

Hohenems ist ein kleiner Ort. Hohenems ist überschaubar. Deshalb ist Hohenems ein gutes konkretes Beispiel dafür, daß Wählerinnen und Wähler genau wissen, wen und welche Inhalte sie bewußt und gewollt wählen.

In Hohenems sind die 2.526 Wähler und Wählerinnen der Freiheitlichen dafür verantwortlich, daß die Freiheitlichen weiter dieses bewährte Rezept für Wahlgewinne einsetzen werden: Antisemitismus, Hetze, Diffamierung …

In Hohenems sind die 2.526 Wählerinnen und Wähler der Freiheitlichen schlimmer als die Freiheitlichen, weil diese 2.526 Wählerinnen und Wähler mit ihrer Wahl den Freiheitlichen bestätigt haben, Hetze ist nicht nur genug als Wahlprogramm, sondern mehr noch: die 2.526 Wähler und Wählerinnen haben den Freiheitlichen bestätigt, für sie wäre Hetze sogar als einziges Regierungsprogramm nicht nur hoch akzeptabel, sondern mehr noch: es ist ihr Auftrag an die Freiheitlichen, Hetze zu exekutieren.

Seit dem 26. August 2009 gibt es in Hohenems eine Resolution gegen Antisemitismus und Rassismus der Stadtvertretung Hohenems, und in Hohenems gibt es …

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