Die Vulgär-Vergleiche der Monarchie-Süchtigen

Posted on 17. September 2009

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Es kann einfach vermutet werden, daß ein kleiner Gemeinderat aus einer kleinen Gemeinde in einem kleinen Bundesland nur aus einem Grund für das Amt des Bundespräsidenten kandidieren möchte können dürfen, weil er der Namen Habsburg trägt, der ihm zugleich ausreichend Qualifikation zu sein scheint, um die Aufgaben einer Bundespräsidentin erfüllen zu können.

Wer kann sich daran erinnern, daß je ein gemeinderätlicher Waldbarbeiter, der nicht aus der Familie Habsburg ist, Bundespräsident werden wollte? Und wer kann sich daran erinnern, daß je ein gemeinderätlicher Fischer, der nicht aus der Familie Lothringen ist, derart viel mediale Aufmerksamkeit erfuhr, allein schon durch seine Ankündigung, an einer Kandidatur interessiert zu sein?

Es ist verständlich und gut nachvollziehbar, daß dieser Forstwirt für sein passives Wahlrecht kämpft.

Was aber an diesem Kampf dieses Nebenerwerbsbauern unangenehm auffällt, sind seine eigenen Vulgär-Vergleiche und die seiner ihn unterstützenden Allianz. Und auch seine eigene Präsentation und seine eigene Geschichtsdarstellung, wie im oben verlinkten Artikel zu lesen ist.

Der Staat müsse schon sagen, welche Verbrechen von seiner Familie begangen worden seien, wird Herr Habsburg in indirekter Rede zitiert. Es ist weit verbreitet, daß über die Verbrechen der eigenen Familienmitglieder in der eigenen Familie gerne geschwiegen wird. Es wäre anmaßend, Herrn Habsburg die Geschichte seiner Vorfahren erzählen zu wollen. Bis auf. Es wurde viel geheiratet. Und eine aus der Familie Habsburg-Lothringen beispielsweise ehelichte Gewaltgroßverbrecher II., Leopold von Belgien, der mit grausamer Phantasie im Kongo mörderisch wüten ließ. 

Das Herrscherhaus werde, wiederum in indirekter Rede zitiert, dargestellt wie Kriminelle, während Nachkommen von Nationalsozialisten alle Rechte genießen. Das Herrscherhaus, nicht die Familie Habsburg werde …, nein, das Herrscherhaus, sagt Herr Habsburg: ein weiterer oder gar der erste Grund für sein Interesse an einer Kandidatur: der große Traum eines Gemeinderates von wenn auch nur republikanischem Prunk.

Wer für die Vulgär-Vergleiche der schwarz-gelben Allianz, die Ulrich Habsburg in seinem Kampf unterstützt, sich interessiert, möge selbst die Website dieser Allianz … Es gibt nämlich gar keinen Ansporn, für diese Allianz Ironie zu verschwenden, die Ideen dieser Allianz nur mit einem Wort kommentieren zu wollen.

Aber auch andere aus dieser Familie haben schon bewiesen, daß sie Vulgär-Vergleiche ziehen können. Die Auslegungen der Menschenrechte, es sind, schon innerhalb einer Familie, zu viele Felder …

Es kann, um zum Ende zu kommen, nur ewige Freude darüber geben, daß die Monarchie nicht mehr existiert, mit u.v.a. dem Irrwitz Erbfolge.

Zur Erinnerung aus 1999 und 2007, vor allem im Hinblick auf das demokratische Verständis von Monarchie-Süchtigen und im Hinblick auf Afrika und der damit einhergehenden Hochhaltung familiärer Traditionen:

Oesterreich/Wien. Unangenehm aufgefallen ist Karl Habsburg, Sohn des Vorsitzenden der Internationalen „Paneuropa-Union“, Otto von Habsburg. Der Enkel des letzten oesterreichischen Kaisers, Vorsitzender der „Paneuropa-Union“ in Oesterreich, gehoerte bis vor kurzem auch dem Landesvorstand von „World Vision Austria“, einer Hilfsorganisation fuer die sog. „Dritte Welt“ an. Habsburg junior wird nun vorgeworfen, Gelder der Hilfsorganisation in Hoehe von bis zu 100.000 DM in die Kasse der „Paneuropa-Union“ und in sein eigenes Wahlkampf-Budget verschoben zu haben. Karl Habsburg sitzt  seit 1996 fuer die konservative oesterreichische Volkspartei“ (OeVP) im Europaeischen Parlament. Habsburg senior, fuer die CSU im
Europaparlament, versucht unterdessen abzulenken. „Karl wird
angegriffen, weil er den gewissen gelben Stern traegt, den Namen Habsburg. Die armen Juden haben ja Entsetzliches mitgemacht. Ich denke oft an sie in diesem Zusammenhang“, erklaerte er gegenueber der Zeitschrift „profil“. Fuer Habsburg senior ist die Berichterstattung der Medien einfach nur „Habsburgkannibalismus“.
Unterdessen werden selbst die Stimmen in der OeVP lauter, die Karl Habsburg raten, sein Mandat niederzulegen oder wenigstens ruhen zu lassen. Es gibt „nichts Unappetitlicheres als Spendengelder fuer Kinder in der Dritten Welt“ zu missbrauchen, aeusserte juengst der Vorsitzende der „Jungen OeVP“, Karl Ammon. Habsburg junior hingegen haelt sich da eher an die Worte seines Vaters: „Wer von der Bevoelkerung gewaehlt worden ist, der darf gar nicht zuruecktreten“, aeusserte dieser.

Otto Habsburg verteidigte die Apartheid in den 70iger Jahren folgendermaßen:
„In der Tat gäbe es volle >Integration< (für die Schwarzen) bei
dem gegenwärtigen freiwirtschaftlichen System im Südafrika, dann würde das praktisch bedeuten, daß die besser entwickelten Völker, ganz besonders die Inder, aber auch die Weißen und >Farbigen<, dank ihrer höheren Qualifikation alle Spitzenpositionen in Wirtschaft und handel besetzen. Die Schwarzen wären gezwungen, sich mit schlechteren Stellen abzufinden. Das System der >großen Apartheid< hingegen gibt auch Scharzen die Möglichkeit in Spitzenstellungen aufzusteigen…“ (Die Zeitbühne 11 / 1977). Die DSAG fordet für Südafrika eine Monarchie, da dies der afrikanischen Mentalität am ehesten entspreche.

Das Parlament solle weiter bestehen […]

PS Gleich auf der ersten Seite von Fisch-Habsburg erzählt Ulrich Habsburg etwas von Maria Theresia und listet, wie es Republikaner so selbstverständlich immer tun, seine Ahnenreihe auf. Familiengemäß wird von Ulrich Habsburg beispielsweise nicht das habsburgische Dekret von 1744 erwähnt, daß ab sofort keine Juden in Böhmen mehr geduldet seien. Vor diesem Hintergrund, daß das Familienmitglied Maria Theresia durchaus mit ein Vorbild für den nationalsozialistischen Willen für einen »judenfreien« Staat war, also, um den Vergleich von Ulrich Habsburg aufzunehmen in bezug auf Rechte der Nachkommen, so etwas wie eine adoptierte Urururgroßmutter der Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen war, die Anderen alle Rechte nach ihrem Gutdünken entzog, sind die Vergleiche der Monarchie-Süchtigen nicht nur vulgär, sondern vor allem absolut unangebracht.

PS 4. Oktober 2009. Aktuell ist einem Interview in der Tageszeitung »Der Standard« zu entnehmen, Ulrich Habsburg würde den Bundespräsidenten ein wenig als »Volksvater« anlegen wollen. Volksvater ruft unweigerlich Volkskaiser in Erinnerung, und mit dieser ist zusätzlich und abschließend alles geschrieben, was von einer Kandidatur von Ulrich Habsburg zu halten ist, was das Programm von Ulrich Habsburg ist, wobei es unerheblich ist, welche der ehemaligen Volkskaiser Ulrich Habsburg Vorbilder sein mögen, weil alle diese ehemaligen Volkskaiser untauglich sind, in jedweder Hinsicht für die Gegenwart und besonders für die Zukunft.

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