Mit Netbook und Rosenkranz im Trachtenschoß auf dem Heuwagen – in welche gesellschaftliche Zukunft

Posted on 16. September 2009

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Es wird wort- und zahlreich vor dem Lager, um Österreich als Beispiel zu nehmen, zu dem u.v.a.  der von 109 Abgeordneten gewählte Immer-noch-Präsident-NR Martin Graf, Ewald Stadler, Andreas Mölzer (weitere bitte selbst zu nennen) zu zählen sind, gewarnt, da aufgrund der österreichischen Geschichte und der österreichischen Gegenwart nur vor dem rechten Lager gewarnt werden kann.

Weil eben dieses Lager selbst wort- und zahlreich die Gründe liefert, bis zum Äußersten nicht nur wachsam zu sein und also dieses Lager nicht zu wählen, sondern auch die Ungenauigkeiten, die Verdrehungen dieses Lagers immer sofort richtigzustellen, die Hetze dieses Lagers niemals schweigend (und dadurch, wie dieses Lager es annehmen möchte und wohl auch, ist bereits zu befürchten, annehmen darf,  zustimmend) hinzunehmen …

Das Wort von der tatsächlichen Gefährlichkeit aber wurde am letzten Sonntag beim Lesen des Berichtes über den »Dirndlgwandsonntag« wieder einmal vom Lesenden für sich gesprochen. Ein Bericht, vom dem lediglich vom Ausgabedatum dieser Zeitung her behauptet werden kann, im September 2009 zum ersten Mal veröffentlicht worden zu sein;

Tausende Frauen und junge Mädchen legen in den kommenden Stunden ein eindrucksvolles Bekenntnis zur Heimat ab! Sie werden in den Trachten ihrer bäuerlichen Vorfahren die heilige Messe besuchen.

Modeexpertin Elfi Maisetschläger: „Das Dirndlgwand, aber auch die Lederhose und der Janker der Männer signalisieren das Bekenntnis zu den Traditionen unserer Vorfahren, zu unserem Kulturkreis“ […]

Schon an den Sonntagen zuvor hatten die allermeisten Priester in Niederösterreich und Wien bei den Gottesdiensten diesen Aufruf ihrer Bischöfe ins Land getragen.

„Die Tracht gehört einfach dazu – sie signalisiert das Leben mit Brauchtum und Traditionen“, bestätigt denn auch Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll als Unterstützer der Aktion.

Überall auf dem Land sind heute hübsche Trachtenmädchen und Kinder von ihren Höfen zur heiligen Messe unterwegs. Biobauerntochter kommt gar zu Pferd ins Tal […]

denn von seinem Inhalt und mehr noch von seinem Stil her scheint dieser Bericht geschrieben in den 1920er, 30er Jahren, als in Österreich gegen den weiteren Aufbruch in die Moderne massiv christlich-bäuerlich angeschrieben, und wie bekannt ist, erfolgreich eine modernde neue Zeit mit Krieg von 1939 bis 1945 und industriell-wirtschaftlichen Massenmorden in den Vernichtungslagern erschrieben wurde.

Soher sind die rechten Sektierer und Sektierinnen nicht die eigentliche Gefahr für eine totale Ideologisierung einer Gesellschaft, sondern die breite freiwillige Erzeugung eines flächendeckenden gesellschaftlichen Klimas, das erst die alternativlos erscheinenden Voraussetzungen schafft, es können nur noch politisch extrem radikale rechte Parteien in die Regierung gewählt werden, die zwar keine Lösungen anbieten können, aber ein kurzfristiges Befriedigen der Begierden … 

Dieser Bericht allein ist es menschgemäß nicht, der von der tatsächlichen Gefährlichkeit sprechen läßt. Denn es ist im Grunde nur einer der Artikel in dieser Zeitung, in der so viele seit so vielen Jahrzehnten freiwillig für Hans Dichand eine Wirklichkeit erschreiben, die als einzige für Hans Dichand ertragbar ist, weil es eben seine Wirklichkeit ist, die Hans Dichand vermeint allen darstellen zu müssen, bis es endlich vollkommen auch ihre Wirklichkeit

Denn seit längerem ist die massive Rückkehr der Tracht, auch der nun Clubbings genannten Feste in Tracht feststellbar, aber nicht auf dem Lande, sondern in der Millionenstadt Wien. Aber es sind nicht Burschenschaften, es sind nicht Landsmannschaften, die in den Uniformen ihrer Ahnen, ihres Volkstums, ihres Brauchtums verstärkt auftanzen, sondern es sind sogenannte aufgeschlossene, es sind sogenannte aufgeklärte und liberale Menschen, die mehr und mehr daran Gefallen finden …

Es sind Wörter, die wieder in einem Umfeld Verwendung finden, in dem diese lange nicht mehr verwendet wurden. Zum Beispiel »Spielleitung« für »Regie«. Das verwundert, weil es nicht von einem extrem rechtsorientierten Theater verwendet wird, wie es nicht verwundert, daß eben extrem rechtsorientierte Zeitungen nach wie vor ihre »Chefredaktionen« »Schriftleitungen« nennen. Verwunderlich auch: aus einer Kritik über die erste Regie des neuen Burgtheaterdirektors: Matthias Hartmann möchte vor allem volkstümlich sein

Und wie Wien damals nicht am Christlich-Bäuerlichen gesundete, wie die ausgestellten Rezepte es damals propagierten, sondern durch den nicht viel später gewählten Nationalsozialismus vollkommen geistig und moralisch verkam und zerstört wurde, sind diese Rezepte, die wieder vermehrt ausgestellt werden, auch heute nur Anlaß zu Besorgnis und keineswegs geeignete Verschreibungen gegen Krankheiten, die nur diese Rezepteure als Krankheiten …

Es kann schon gehört werden, wie gesagt werden wird, was sei gegen Volkstum, gegen Brauchtum, gegen bestimmte Wörter einzuwenden …

Es sind Anzeichen, die sich einfach und unauffällig mehren, dafür, wie ein ganzes Land allmählich zu einem Bergbauerndorf schrumpft und verkommt, in dem jedem Menschen von außerhalb mit äußerstem Mißtrauen entgegengetreten wird, in dem jeder Mensch von außerhalb ein Nur-noch-nicht-verurteilter-Verbrecher ist, in dem bedenkenlos Vorsichtsmaßnahmen gegen Menschen von außerhalb und gegen Menschen, die sich dagegen aussprechen, getroffen werden, in dem bedenkenlos Dorfregeln (vulgo Bundesgesetze) gegen Menschen von außerhalb und gegen Menschen, die sich dagegen aussprechen, aufgestellt und exekutiert werden, in dem Gleichgültigkeit gegenüber bis hin zur applaudierten Verfolgung und Ausgrenzung von Menschen, die als nicht dorfzugehörig oder dorfverratende gebrandmarkt sind, vorherrscht, dem immer leichtfertiger abgesprochen wird (entweder aus Unwissenheit oder bereits aus Sehnsucht nach einer anderen Staatsform) eine Demokratie zu sein, in dem immer unbekümmerter bereits eine geringfügig von der Mehrheitsmeinung abweichende Äußerung bereits zum Widerstand erhoben wird, in dem eine Ministerin Künstler und Künstlerinnen auffordert, Widerstand zu leisten, in dem manche Menschen keinen Bürgerkrieg wollen, aber sich bereits vor einem Bürgerkrieg fürchten, in dem ein Obmann (wie bereits einmal ein Obmann und von nicht wenigen bis heute) einer rechten Partei verteidigt wird, er könne nichts dafür, er wisse gar nicht, wer seine Veranstaltungen besuche, und er selbst wolle bestimmt nicht, daß solche zu seinen Veranstaltungen kommen, in dem ein Klubobmann bereits bekennen muß, ländliche Blasmusik zu mögen, in dem mehrere Parteien bereits im Gleichklang singen, Arbeiten für das Dorf  …

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