Die späte Bestätigung der ÖVP – Österreich ist Täter

Posted on 4. September 2009

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Mit seiner Aussage, er sei gegen eine pauschale Aufhebung der Urteile gegen Wehrmachts-Deserteure, bestätigt Heribert Donnerbauer von der christlich-kunschakschen Partei sehr spät, aber dafür um so eindrücklicher, daß Österreich kein Opfer des Dritten Reiches war, sondern Täter und darüber hinaus, daß Österreich heute, 2009, deutscher als Deutschland ist.

Die Frage, ob die Urteile gegen Wehrmachts-Deserteure endlich pauschal aufzuheben sind oder nicht, ist nicht anhand der Beurteilung vom Dritten Reich als Unrechtsregime, die ohnehin außer Diskussion steht, zu beantworten, sondern allein anhand des österreichischen Umgangs mit diesem Teil der österreichischen Geschichte.

Wird nämlich der über Jahrzehnte beliebten Argumentation gefolgt, die gerade von der christlich-kunschakschen Partei nach wie vor gepflegt wird, daß Österreich ein Opfer, sogar das erste Opfer von Nazi-Deutschland war, wird es ganz einfach, bedarf es keiner rechtlichen Individual-Prüfung mehr der Desertion von der Wehrmacht.

Opfer zu sein heißt, massiven Zwängen ausgesetzt zu sein, Gewalt und Terror ausgesetzt zu sein, zu Handlungen unfreiwillig gezwungen zu werden.

Soher ist jedweder Eid ein erzwungener Eid, ein unfreiwilliger Eid, ein Eid also, an den sich je niemand je nie zu halten braucht.

Von der Darstellung, Österreich sei Opfer, sogar das erste Opfer gewesen, ausgehend, hätten die Deserteure, die im Grunde keine Deserteure waren, weil sie sich eben nicht zu freiwilligen Knechten des Nazi-Regimes machen ließen, bereits 1945 gefeiert werden müssen. Zusätzlich haben diese Menschen kein zu ahndendes Vergehen gegen den Staat Österreich begangen, da dieser als unabhängiger Staat von 1938 bis 1945 von den Landkarten gelöscht war. Aber für Heribert Donnerbauer und für seine Partei gab es Österreich in dieser Zeit anscheinend doch: als ein in Österreich transzendiertes Deutschland, jedoch unter dem offiziellen Namen »Deutsches Reich« respektive für knappe, aber weiter mordreiche zwei Jahre dann noch »Großdeutsches Reich«.

Diese Menschen sind nicht zu rehabilitieren, sondern vom Staat Österreich hochoffiziell zu feiern, mit den höchsten Anerkennungen zu ehren. Und irgendwelche behördliche Vermerke bezüglich »Desertion« sind einfach und vollständig zu löschen.

Was aber passierte 1945 tatsächlich?

Noch dem untergegangenen Nazi-Regime wurde gehuldigt, indem zum Beispiel ein Postshoa-Antisemit zum ersten Nationalratspräsidenten der Zweiten Republik gewählt wurde, nämlich Leopold Kunschak, der auch nach 1945 weiter von einem »judenfreien Österreich« träumte.

Was aber passiert 2009 immer noch?

Am Grab des Nazi-Regimes stehen die gräflichen Kunschaks, wie sie davor an der Wiege des Kindes mit den Namen Adolf standen. Der Postshoa-Antisemit Leopold Kunschak wird immer noch geehrt, Jahr für Jahr mit den Leopold-Kunschak-Preisen.

Immer noch wird darüber debattiert, ob österreichische Deserteure von der Wehrmacht zu rehabilitieren seien oder nicht. Immer noch verweigert die christlich-kunschaksche Partei diesen Menschen den Respekt, die Achtung, die Anerkennung, die sie in Wahrheit verdienen. Stattdessen aber werden sie durch die Frage der Rehabilitierung weiterhin kriminalisiert.

Daß Österreich ein Opfer, sogar das erste Opfer von Nazi-Deutschland war, ist ohnehin seit langem schon als Staatslüge bekannt, aber Heribert Donnerbauer hat es noch einmal eindrücklich bestätigt, mehr noch, er hat endgültig bestätigt, daß Österreich Täter war und im Umgang mit den Menschen, die sich weigerten, für Nazi-Deutschland schuldig zu werden, weiterhin Täter ist.

Posted in: Politik