In welch einer Zeit, in welch einem Europa leb‘ ich als Rom

Posted on 1. August 2009

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Heute, am 1. August 2009 um 10.35 Uhr wird in der in in diesem Land wohl meisterverwendeten Suchmaschine nach folgendem Eintrag gesucht:

»Sinti Roma Nationaler Gedenktag 2. August 2009«

mit der Einstellung Seiten aus Österreich und News.

Das Ergebnis:

Roma Sinti Gedenktag 02-08-09

 

 

 

 

Kein Eintrag, kein Eintrag, kein Eintrag …

Es hat wohl für diese unsere zivilisierte Gesellschaft seine Richtigkeit, daß der Gedenktag der Roma und Sinti zur Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen keinen Informationswert in der Informationsgesellschaft besitzt, weil an Verbrechen kann ja nur gedacht werden, wenn diese bereits vergangen sind. Und die Verbrechen an Roma und Sinti sind nicht vergangen.

Roma und Sinti sind weiter Verbrechen gegen die Menschlichkeit  ausgesetzt, in Europa, im 21. Jahrhundert.

Roma und Sinti sind also Menschen, die weiter und mehr und mehr unverhohlen verfolgt, ausgegrenzt und ermordet werden dürfen.

Über den Gedenktag der Roma und Sinti breit zu berichten, müßte unbedingt zur Folge haben, über die aktuellen Verbrechen, denen Roma und Sinti ausgesetzt sind, breit zu berichten, müßte unbedingt zur Folge haben, gegen diese Verbrechen breit einzuschreiten.

Aber über den Gedenktag der Roma und Sinti breit zu berichten, deckte zusätzlich äußerst Unangenehmes auf: nämlich das Wegschauen, das Wir-haben-ja-von-Nichts-gewußt in unserer zivilisierten Zeit, in unserem zivilisierten Europa. 

Dafür auch noch Mittel zur Verfügung stellen zu müssen, das ist eine unverschämte Anmaßung der Roma und Sinti, wird sich, um ein konkretes Beispiel zu nennen, die polnische Regierung gedacht haben, und hat den finanziellen Zuschuß für den Auschwitz-Gedenktag gestrichen.

In welch einer Zeit, in welch einem Europa leb‘ ich als Rom – wie lange überleb‘ ich denn noch, wenn die Informationsgesellschaft mich medial bereits ausgelöscht hat?

Posted in: Politik