Das Gift der verschuldeten Vermutungen

Posted on 31. Juli 2009

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Es war eine Überraschung, als Niki Lauda gemeinsam mit einer Funktionärin einer Partei auftrat, gegen Martin Graf in seiner derzeitigen Position als III. Präsident NR. Es war deshalb eine Überraschung, weil von Niki Lauda seit Jahrzehnten zwar sehr viel über Autos, Flugzeuge zu hören ist, aber keine explizit politischen Aussagen, oder im weitesten Sinne höchstens in Verbindung mit der Flugwirtschaft. In diesem Moment der Überraschung wurde zwar kurz daran gedacht, daß Niki Lauda vor sehr sehr vielen Jahren einem Diktator durchaus etwas Positives abgewinnen konnte, soweit erinnerlich: in Verbindung mit der Flugwirtschaft – diese seine genaue Äußerung, die in diesem aktuellen Kontext eine gewisser Bedeutung erlangt, müßte in einem ORF-Archiv zu finden sein. Und mit dieser Erinnerung wurde der Auftritt von Niki Lauda auch gleich wieder vergessen.

Aber als Niki Lauda, nicht viel später, in einer dieser Sektflöten-und-Brötchenmesser-Sendungen nach seiner Meinung zu den anerkennenden Äußerungen von Herrn Ecclestone zu Adolf Hitler befragt wurde, gab es einen weiteren Moment der Überraschung, und zwar deshalb, weil Niki Lauda, der eben noch gegen einen Martin Graf klar aufrat, dazu keine deutliche und eindeutige Stellungnahme abgeben konnte und ungewohnt rasch das Interview beendete.

Mit dieser zweiten Überraschung stellte sich eine erste Vermutung ein. Die Vermutung nämlich, was wird Niki Lauda dafür wohl  …

Beinahe wurde dem Impuls durch diese Vermutung nachgegeben, darüber einen Artikel zu schreiben. Aber dieses Ansinnen wurde schnell wieder begründet verworfen; denn überall nur noch Ausmachungen zum persönlichen Vorteil zu vermuten,  ist keine Triebkraft für die Texte in diesem Medium.

Und jetzt, nicht viel später, ist zu vernehmen, daß der Flugbetrieb von Niki Lauda aufgrund der Übernahme der AUA durch die Lufthansa zusätzliche und lukrative Landerechte erhalten wird, stellt sich keine Überraschung ein und auch keine Bestätigung der Vermutung, daß hier …

Aber etwas wird dadurch dennoch bestätigt, nämlich, daß diese in Österreich, um bei diesem Beispielland zu bleiben, seit Jahrzehnten geübte Praxis der Ausmachungen zum persönlichen Vorteil das politische Klima derart vergiftet hat, daß beinahe schon hinter jeder Aussage und jeder Handlung, und mögen diese noch so ehrbar sein, Abmachungen zum persönlichen Vorteil vermutet werden.

Es sind natürlich nicht immer plattdirekt abgesprochene Tauschgeschäfte, die es sicher auch gibt, sondern es sind wohl vor allem vorauseilende gestures of good will, aus denen dann durchaus persönliche Vorteile lukriert werden können.

Aber dieses Gift der verschuldeten Vermutungen ist langfristig für eine Gesellschaft, die demokratisch bleiben will, tödlich; denn diese lassen in Wählern und Wählerinnen die Hoffnung auferstehen, daß jenen Parteien, die anständige Tüchtigkeit, Sauberkeit, Ehrlichkeit  auch in der Politik und Politik als Arbeit für die Volksgemeinschaft fordern, es keine Werbesprüche sind, um mit diesen an die Macht zu kommen, zum parteieigenen Vorteil und zum persönlichen Genuß.

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