Religionen sind keine Lehren, sondern Regime der Vorfreisprechung

Posted on 6. Juli 2009

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Fritz Kaltenegger, christlich-kunschakscher Generalsekretär, fordert u.a., wie aktuell zu lesen ist, daß Susanne Winter als Abgeordnete im Nationalrat zurückzutreten hat.

Und diese Forderung nach Rücktritt ruft einmal mehr in Erinnerung, daß Verurteilungen wegen Herabwürdigung religiöser Lehren nicht die Angeklagten schuldig sprechen, sondern tatsächlich jedweden Staat mit derartigen Paragraphen in seinem Strafgesetzbuch: jedweder Staat also klagt sich selbst an mit jedsolcher Anklage und jedweder Staat also verurteilt sich selbst mit jedsolcher Verurteilung.

Denn zum einen ist der gesetzliche Schutz von Religionen eine durch nichts zu rechtfertigende, eine absolut illegitime, eine durch nichts zu begründende, eine totalitär undemokratische, eine gegen jede Gleichheit sprechende Bevorzugung, und zum anderen ist der gesetzliche Schutz von Religionen der staatliche Segen für religiös bedingte gesellschaftspolitische Stagnation, für religiöse Ausgrenzung, für religiöse Gewalt, für religiöse Hetze, für religiöse Verfolgung, für religiöse Morde …

Es müßte eigentlich seit Jahrhunderten bereits sich erübrigen wieder und wieder festhalten zu müssen, daß Religionen keine und warum Religionen keine Lehren sind. Soher knappest zusammengefaßt: Religionen lassen sich im Gegensatz zu Lehren weder verifizieren noch falsifizieren.

Auf die Blutheimatführerfahne »Gott« lassen sich immer noch am leichtesten Kompanien des organisierten Mordens vereidigen. Hierfür sollen aber keine geschichtlichen Verweise, die ohnehin zur Genüge qualvoll bekannt sind, angeführt werden, sondern Gegenwart und in Vorausschau Zukunft, eine Zukunft, die mit »Gott« möglicherweise auch in Europa wieder kreuzfinster und meertief blutig werden könnte.

Als gegenwärtige Beispiele sollen Vorgänge unter der rot-weiß-roten Fahne der Garde in Ungarn dienen, also aus der unmittelbaren staatlichen Nachbarschaft zu Österreich:

„Gebe uns Gott!“, donnert der Hauptmann der Ungarischen Garde, István Dósa, über den Hauptplatz der 3000 Seelengemeinde Szikszó. „Eine bessere Zukunft!“, erschallt als Antwort aus rund drei Dutzend Kehlen der stramm in Reih und Glied stehenden Männern. Die Ungarische Garde ist in Szikszó, 200 Kilometer nordöstlich von Budapest, aufmarschiert, um wieder einmal auf die „Zigeunerkriminalität“ aufmerksam zu machen und neue Mitglieder zu rekrutieren.

Auf der Website von Jobbik definiert Gábor Vona das Menschenbild der von ihm angeführten ungarischen Garde:

Ein christliches Menschenbild – mit Bezug auf das jeweilige Volk, also bei uns zu den Ungarn. Man kann es als »christlich-nationalistisch« bezeichnen.

Auch mehrere Geistliche waren bei der rechtsextremen „Garde“-Taufe dabei. Priester der katholischen, evangelischen und calvinistischen Kirche weihten nacheinander die Flagge der „Ungarischen Garde“. Später erklärten Sprecher der katholischen und der evangelischen Kirche, von der Aktion ihrer Pfarrer nicht informiert gewesen zu sein.

 

Posted in: Politik, Religion