Der Schatten Streichers aus Österreich

Posted on 15. Mai 2009

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„Solche Provokationen sind unerträglich und nicht zu tolerieren. Ich verurteile das aufs Schärfste“, sagte der Außenminister in einer Aussendung. „Solche Vorkommnisse schaden dem internationalen Ruf Österreichs und werfen einen Schatten auf die Tourismusdestination Österreich. Wir dürfen nicht zulassen, dass unser Selbstverständnis als offenes und gastfreundliches Land durch haarsträubende Diskriminierung von Mitbürgern bewusst untergraben wird“, stellte Spindelegger fest.

Michael Spindelegger ist Außenminister, aber auch stellvertretender Bundesobmann des ÖAAB. 

Im ÖAAB ist nach wie vor auch das Sekretariat für den »Leopold-Kunschak-Preis« beheimatet.

Und das ist die tatsächliche Provokation.

Es ist eine tatsächliche Provokation auch eines Michael Spindeleggers, zwar den Mut zu haben, Jugendliche in Ebensee zu verurteilen, aber nicht den Mut aufzubringen zu sagen, daß es eine Provokation von Spitzen des Staates gegen die Opfer der nationalsozialistischen Barbarei ist, nach wie vor im Parlament der Republik Leopold Kunschak ehrend zu gedenken.

Im April 2009 war auch Michael Spindelegger im Parlament bei der Verleihung der Leopold-Kunschak-Preise.

Die Frage ist, warum war Michael Spindelegger jetzt im Mai 2009 nicht auch in Ebensee, um gemeinsam mit diesen Jugendlichen (vielleicht sogar als von ihnen zu ihrem gewählten Anführer) Opfer nationalsozialistischer Barbarei zu verhöhnen, in Angst und Schrecken zu versetzen?

Michael Spindelegger war nicht in Ebensee, weil die offene Provokation nicht unbedingt das österreichische Metier ist. Das Österreichische ist ja die versteckte Gemeinheit, mit Seitenausgang. Und die christlich-kunschaksche Partei ist eine der Meisterinnen darin.

Es muß wohl noch einmal darauf hingewiesen werden, daß Leopold Kunschak den Beinamen »Streicher von Österreich« hatte. Und Julius Streicher war mit seinem Antisemitismus sogar für manche Angehörige seiner eigenen Partei NSDAP unerträglich. Leopold Kunschak wird diesen Beinamen also kaum dafür bekommen haben, daß er brav zum dreifaltigen Führer im Höllenhimmel fromme Gebete sprach. Das tat er sicher auch. Aber was tat Leopold Kunschak noch, um einen derartigen Beinamen sich zu verdienen?

Es kann nicht vermieden werden, daß bespielsweise Jugendliche in Ebensee oder Gymnasialschüler und -schülerinnen in Auschwitz …, aber es kann endlich damit beendet werden, daß höchste Verantwortungsträgerinnen und -träger des Staates seit Jahrzehnten Jahr für Jahr vor einem der übelsten Radau-Antisemiten der Vergangenheit ihre nicht nur ethisch zerschlissenen Hüte ziehen.

Aber die Gegenwart heißt in Österreich Vergangenheit.

Julius Streicher verteidigte sich in Nürnberg u.a. damit, daß er sagte, er wollte ja nur die Fremdlinge aus dem Land haben. Und Leopold Kunschak wollte – aber er brauchte sich nicht zu verteidigen, sondern nur seine höchsten Staatsämter auszuüben –  auch nach der Shoa keine Juden in Österreich; er nahm also diesen Erbteil des Nationalsozialismus an, um weiter für ein »judenreines« Österreich sich einzusetzen: jetzt halt wieder auf gemütlich christlich-österreichisch.

Und wenn es gegen Menschen geht, die als nicht inländische Menschen gebrandmarkt werden, gibt es kein Überhören der Aussagen von Angehörigen der Ein-Paar-Stiefel-Partei mit den Schäften FPÖ und BZÖ und ruft augenblicklich auch in Erinnerung:

Für den Zweiten Nationalratspräsidenten Michael Spindelegger (ÖVP) steht nach einem „langen und intensiven Gespräch“ mit dem FPÖ-Abgeordneten Martin Graf dessen Wahl zum Dritten Nationalratspräsidenten „nichts im Weg“.

Graf-Debatte: Spindelegger sieht keinen Imageschaden. Außenminister Michael Spindelegger (ÖVP) sieht durch die Rechtsradikalismus-Vorwürfe gegen zwei Mitarbeiter des Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf (FPÖ) Österreichs Ansehen nicht nachhaltig beschädigt

Was der Inhalt wohl war? Ob Herr Präsident NR Herrn Außenminister erzog und eindringlich lehrte, wer tatsächlich nachhaltigen Schaden anrichte und wer nicht? Denn er, Martin Graf mit seiner Partei, richte ja bloß schmackhaft patriotische Heimatkost den anständigen Landsmannen an?

Um abschließend zu diesen Jugendlichen in Ebensee zurückzukehren. Diesen fünf Jugendlichen kann ein Rat gegeben werden: Wenn sie lernen mögen, den österreichischen Weg zu gehen, können sie es in einem österreichischen Leben weit bringen: sie können I. Präsident NR werden, sie können Außenminister, sie können Vizekanzler, auch Kanzler, Innenministerin …

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