Christlich-kunschaksches Verschönerungsdenken heute

Posted on 18. April 2009

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Wie Leopold Kunschak »the little nazis« entschieden freisprach, wie Leopold Figl entschieden Leopold Kunschak mit einen wohl als ehrenwert eingestuften ökonomischen Antisemitismus davon freisprach, ein rassistischer Antisemit gewesen zu sein, verschönt auch Josef Pröll im Hauptquartier NR den Lebenslauf von Leopold Kunschak entschieden in uralter Staatsgeschichtsschreibungsart:

In der Folge kam Pröll dann auf den Namensträger des Preises, Leopold Kunschak, zu sprechen. Sein Lebenslauf lese sich wie ein Auszug aus einem Geschichtsbuch der jüngeren österreichischen Staatsgeschichte: Geboren am 11. November 1871 in Wien Landstraße, Reichstagsabgeordneter in der österreichischen Monarchie. 1919 Mitglied der konstituierenden Nationalversammlung, 30 Jahre im Wiener Gemeinderat, Ehrenbürger von Wien – auf Antrag des Sozialisten Theodor Körner. 1945 Mitbegründer der ÖVP und des ÖAAB, 1945 bis 1953 Nationalratspräsident. „Leopold Kunschak war ein Kämpfer für die Freiheit und für Österreich und ein entschiedener NS-Gegner bis hin zu seiner Wahl zum Präsidenten des Nationalrates. Er ist immer der „Vertreter des kleinen Mannes“ und der christlichen Arbeitnehmerbewegung geblieben.

Presseaussendung des ÖVP-Parlamentsklubs 17. April 2009

Josef Pröll wird sein Geschichtsbuch möglicherweise vom Leopold-Stocker-Verlag bezogen haben, der ja u.a. mit Walter Marinovic redlich unbescholtene Autoren auf der Höhe zeitgenössischer wissenschaftlicher Erkenntnisse in seinen dichten Reihen hat.

Aber von Interesse ist nicht seine Lektüre des einen Geschichtsbuches, woher immer er es haben mag, sondern was Josef Pröll und seine Partei heute unter dem von ihm wohl als positiv verwendeten Wort Entschiedenheit versteht, wann und wie er und seine Partei entschieden kämpfen, etwa durch 

das entschiedene Vortreten von Josef Pröll für einen NR-Präsidenten Martin Graf,

das entschiedene Hintreten von Maria Fekter als Innenministerin,

das entschiedene Eintreten von Karlheinz Kopf gegen eine »Reichensteuer« und gegen eine Verbesserung der finanziellen Lage von arbeitlsosen Menschen,

Und was versteht Josef Pröll unter einem Vertreter? Ist für Josef Pröll ein Vertreter nur ein Verkäufer von beispielsweise Landmaschinen, und ist ein Verkäufer wie Veit Sorger, der aktuell Lohnverzicht im Sortiment führt, auch ein Vertreter des pröllschen Sich-allein-gebärenden-Mannes?

Josef Pröll wird wohl sehr froh darüber sein, eine Staatsanstellung zu haben; denn als Verkäufer des derart verstaubten Produktes »Kleiner Mann« müßte er längst schon von dem ihm von Karlheinz Kopf zugestandenen Arbeitslosengeld sein Auslangen finden oder darauf hoffen, daß Herr von Stämmen in Luising auch ihm Arbeit und Brot gibt.

PS Einige der hier zum Leopold-Kunschak-Preis verfassten Artikel wurden auch jeweils am gleichen Tag noch per E-Mail u.v.a. an Josef Pröll, den ÖAAB, die Preisträger und Preisträgerinnen gesandt.

PPS Das folgende Zitat ist nicht von Josef Pröll, ist nicht von Werner Fasslabend, ist nicht von Alois Mock, ist nicht von Wilhelm Molterer, ist auch nicht von Wolfgang Schüssel, der wohl mit seinem (das Vergessen des Vergessens muß in der Gegenwart bereits gewollt werden) Liebling Karl Heinz Grasser ins Hauptquartier NR kam, in das ja, wie von Freiheitlichen zu vernehmen ist, nur Unbescholtene eingeladen werden. Sondern von Jean Claude Juncker und aus einer luxembourgischen Zeitung.

In der Einleitung zu seiner Dankesrede bemerkte Premier Juncker, dass er den von bestimmten Kreisen in Luxemburg kritisierten Preis gerne annehme. Auch wenn er einzelne antisemitische Äußerungen von Leopold Kunschak nicht teile, so fühle er sich doch mit vielen anderen Ansichten dieses Sozialpolitikers verbunden.

Dieses Zitat in der Gegenüberstellung zur Inhaltsangabe seiner Lektüre hätte bereits dafür ausgereicht, um Josef Pröll dort einzuordnen, wo er tatsächlich einzuordnen ist: als ein Politiker auf dem katholischen Lande. Österreichische Medien schreiben zwar das Datum der Gegenwart, aber berichten entweder in Gehorsamkeit einer Regierungspartei gegenüber aus freiwilliger Gleichschaltung oder aus größter bequemer Gleichgültigkeit einfach bloß abschreibend oder wie sooft üblich ungeprüft übernehmend oder mit Josef Pröll in den 1950er Jahren in Ackerfurchen marschierend:

Katholische Presseagentur Österreich:

In seinen Dankesworten betonte Juncker, dass Europa „ein Friedensprojekt und kein Boxring“ sei. […] Die Preise werden im Gedenken an Leopold Kunschak (1871-1953) vergeben. Er war einer der führenden Pioniere der christlichen Arbeiterbewegung in Österreich und ab Dezember 1945 erster Nationalratspräsident der Zweiten Republik.

Die Presse:

„Europa ist kein Boxring, sondern ein Ort, an dem wir versuchen, Geschichte zu bestimmen anstatt von der Geschichte bestimmt zu werden“, sagte der Premierminister des Großherzogtums Luxemburg, Jean-Claude Juncker, am Freitag bei der Entgegennahme des Großen Leopold Kunschak-Preises im Parlament in Wien. […] Die Auszeichnungen werden zum Gedenken an den Begründer der christlich sozialen Arbeitnehmerbewegung, ersten Nationalratspräsidenten der Zweiten Republik und ersten Bundesparteiobmann der ÖVP, Leopold Kunschak, vergeben.

Salzburger Nachrichten:

Die diesjährigen Leopold Kunschak-Pressepreise gingen an Inge Baldinger von den „Salzburger Nachrichten“, Gerhard Klein vom ORF und den Chefredakteur der „Wiener Zeitung“, Andreas Unterberger. Zudem werden acht Leopold Kunschak-Wissenschaftspreise sowie ein Anerkennungspreis verliehen. […] Die Auszeichnungen werden zum Gedenken an den Begründer der christlich sozialen Arbeitnehmerbewegung, ersten Nationalratspräsidenten der Zweiten Republik und ersten Bundesparteiobmann der ÖVP, Leopold Kunschak, vergeben.

Vienna Online:

„Europa ist kein Boxring, […] Die Auszeichnungen werden zum Gedenken an […]

Vorarlberg Online:

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