Das christlich-kunschaksche Österreich

Posted on 15. April 2009

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Es ist, wird Österreich in seiner Gesamtheit betrachtet, nachvollziehbar, daß Martin Graf auch die aktuellen und weitere Aufregungen um seine Person nicht verstehen wird können.

Martin Graf will möglicherweise seinem Lehrkörper ein guter und tüchtiger Schüler sein, und wie könne ihm jetzt nur vorgeworfen werden, Walter Marinovic in das Hauptquartier NR einzuladen, sei von ihm ungehörig gewesen.

Er wird bei der Erstellung der Einladungsliste vielleicht von der Veranstaltung in Wieselburg gelesen und sich dabei schon gefreut haben, wie die Christlich-Kunschakschen ihm dafür anerkennend auf die Schulter klopfen werden:

Am 4. Mai 1996 wurde erstmals der Grün-weiß-grüne Kommers in Wieselburg ausgerichtet, der alle fünf Jahre in Verbindung mit den runden Stiftungsfesten der Mitgliedskorporationen jeweils an einem anderen Schulstandort veranstaltet wird. Den Ehrenschutz der Veranstaltung übernahmen der dritte Nationalratspräsident Univ.-Prof. Dr. Willi Brauneder, Landwirtschaftsminister Mag. Wilhelm Molterer, Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll, Bezirkshauptmann Dr. Berthold Panzenböck, Bürgermeister Franz Glösmann und Schuldirektor HR DI Dr. Johann Ramoser. Als Festredner wurde der Buchautor und erfolgreiche Kritiker der linken Kulturszene Prof. Dr. Walter Marinovic aus Wien gewonnen, wie insgesamt bei vielen Stiftungsfesten und Vorträgen dieser Zeit bekannte Festredner sprachen, so Ing. Herbert Putz, Präsident des „Verbandes Österreichischer Ingenieure“, EU-Parlamentarier Mathias Reichhold, NR Mag. John Gudenus, Univ.-Prof. Dr. Roland Girtler, Brigardier Walther Groß und andere. [Hervorhebungen B.K.]

Möglicherweise hat Martin Graf auch den Neffen gefragt, ob er denn nicht einen guten Referenten wisse. Und möglicherweise hat der Neffe auf seinen Onkel verwiesen, der viele gute Leute kennt. So unwahrscheinlich ist dies in Österreich nicht:  in diesem Staat wird auf die guten Onkel doch gerne gehört.

Möglicherweise hat Martin Graf sich auch vergewissert, ob Walter Marinovic für sein Tun und Schreiben auch den christlichen Segen hat. Wofür er möglicherweise diese Empfehlung gehalten hat, die ihm Zuversicht gab, rechtens nach der Tradition zu handeln, wenn er Walter Marinovic in das auch als Parlament bekannte Hauptquartier NR einlädt:

Und mit freudigem Erstaunen liest man von einem Mädchengymnasium im Rheinland, getragen von der Priesterbruderschaft St. Pius X., das zu seinen Erziehungs- und Unterrichtsprinzipien die Freude am Guten und Schönen, Wissen um und Verständnis für die schönen Künste zählt, wo Gedichte der großen deutschen Literatur gelernt und regelmäßig „klassische“ Theaterstücke aufgeführt werden. Marinovics Buch ist also nicht nur kämpferische Anklage gegen die aktuelle Zerstörung, sondern zeigt gleichermaßen gute Gründe für realistische Hoffnung auf bessere Zeiten. Die Lektüre wird wärmstens empfohlen. Walter Marinovic, Kunst oder Antikunst. Von der Diktatur des Häßlichen und dem Aufbruch des Schönen

Und der Leopold-Stocker-Verlag ist ja ein kreuzbraver Landwirte-Verlag, der neben Walter Marinovic zum Beispiel auch den ehemaligen ÖVP-Bundesobmann und Vizekanzler Josef Riegler, Schulbücher … im Programm hat.

Und sollte Martin Graf heute, am 15. April 2009, auch noch den Waschzettel vom Leopold-Stocker-Verlag für »Rudolf Heß: Ich bereue nichts« gelesen haben,

Die Aussagen des Kronzeugen jener Vorgänge hätten zweifellos endgültig bewiesen, was namhafte Historiker wie John Charmley schon lange behaupten: daß der europäische Krieg, bevor er sich zum grausamen Weltkrieg weitete, schon im Frühjahr 1941 hätte beendet werden können, was das Leben unzähliger Menschen gerettet und auch das Britische Empire vor seinem Niedergang bewahrt hätte. 

könnte ihm dann die Selbsterkenntnis noch verübelt werden, riefe er aus:

Ich verstehe nichts.

 Ich verstehe nicht: warum soll ich allein zurücktreten und alle, die mich im Wissen, wer ich, daß ich berufen bin, den Ausbau zum Hauptquartier NR voranzutreiben, wählten, aber nicht.

Ich verstehe nicht: am 17. April 2009 darf Leopold Kunschak im Parlament gedacht werden mit einem ausländischen Premierminister, aber der inländische Kämpfer für deutsche Kunst und Kultur, aber der inländische Universitätsprofessor für zurechtrückende Geschichte, aber der inländische Herausgeber und abgeordnete Kämpfer gegen ausländische Imperien dürfen mich am 15. April 2009 nicht besuchen in meinem heimatlichen Hauptquartier NR und treu in deutscher Sprache vom Kampfe Germaniens erzählen.

Ich verstehe nicht:

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