Umbenennen des Leopold-Kunschak-Preises

Posted on 20. März 2009

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Manush-Preis — Vordenken statt Gedenken

Was spricht dafür, den Leopold-Kunschak-Preis in Manush-Preis umzubenennen?

Dafür spricht, daß Leopold Kunschak selbst der schlechtest gewählte Namenspatron für einen Preis ist, in dessen Ausschreibungs- und Verleihungsbedingungen u.a. aufgenommen ist, es sollen Arbeiten auf dem Gebiet der Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet werden, die geeignet seien, das Verständnis für die Grundlagen, das Wesen und die Arbeitsweise der Demokratie, für das friedliche Zusammenleben der Völker zu fördern. Diese Bedingungen haben also mit Entwicklung, mit Aufnahme und Annahme neuer Erkenntnisse zu tun; Leopold Kunschak hingegen aber nur mit Staatsreinwaschung und Verharren in seinem Antisemitismus, auch noch nach 1945, also in Kenntnis, daß Antisemitismus bloß Verbrechen gegen die Menschlichkeit fördert. Und wie Leopold Kunschak lange vor der nationalsozialistischen Diktatur gegen Juden und für Konzentrationslager und nach der Shoa weiter gegen Juden in Österreich war, also weiterhin offenbar von einem »judenfreien Österreich« christlich beseelt, wird heute in Europa verstärkt und auch immer unverhohlener gegen Roma gehetzt, werden Roma verfolgt, bedroht, gejagt, ermordet.

Dafür spricht das Ernstnehmen der Geschichte auch dadurch, daß eines Leopold Kunschaks nicht mit einem Preis mit derartigen Vergabekriterien zu gedenken ist, sondern die möglichen grausamsten Entwicklungen unverhohlener Hetze, der Roma ausgesetzt sind, vorzudenken sind. Der Preistitel also bereits als Anleitung zum Handeln, aus der mörderischen Vergangenheit und vor allem aus der möglicherweise eine mörderische Zukunft vorbereitenden Gegenwart nicht nur zu lernen, sondern eine derart mörderische Geschichte tatsächlich nicht mehr wiederholen zu wollen und vor allem nicht mehr wiederholen zu lassen.

Und weil Roma ebendiesen Widerwärtigkeiten und dazu sehr viele von ihnen auch noch äußerst prekären sozialen Bedingungen ausgesetzt sind, spricht es dafür, diesen Preis mit einem Wort aus ihrer Sprache zu benennen:

Manush

Als ein Zeichen der Unterstützung und des Beistandes konkret an Menschen, die sich entweder selbst als den Romas zugehörig verstehen oder respektive und den Romas zugeschlagen werden, aber zugleich auch stellvertretend an alle in der gleichen ausgelieferten gesellschaftlichen Lage; als ein Signal gegen Hetze und Verfolgung, aber zugleich auch als generelle Absage an die völkischen Einteilungen, die den Menschen nie Positives gebracht haben.

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