Wahlen auf dem Lande in der Stadt

Posted on 2. März 2009

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Das Volk wählt seine Nieder-Tracht

 

Es muß, wieder einmal, festgehalten werden, wie in Österreich Wahlergebnisse gedeutet werden, und das erschreckt.

Es erschreckt, weil auch die sogenannte österreichische kritische Intelligenz eines Mythos bedürftig ist. Es ermüdet, daß auch die sogenannte österreichische kritische Intelligenz Dr. Jörg Haider nach wie vor zu einer Größe hochschreibt. Es läßt Schreckliches befürchten, wenn auch die sogenannte österreichische kritische Intelligenz nach wie vor politisch  nicht ohne einen »den Patriarchen« zu sein imstande ist.

Und deswegen ist, einmal mehr, diesmal aktuell an den Beispielen Kärntens und Salzburgs, zu Österreich zu notieren:

Die Wahl am 1. März 2009 brachte wieder einmal und nicht mehr zu Tage als, daß Wählerinnen und Wähler nicht willens sind, mit Vernunft und mit analytischem Verstand zu wählen.

Die Wahl am 1. März 2009 brachte wieder einmal und nicht mehr zu Tage als, daß die Dr. Jörg Haider angeschriebene Größe tatsächlich nur eine ihm von allen angeschriebene Größe ist. Denn Gerhard Dörfler ist Jörg Haider, der nie mehr war als ein Gerhard Dörfler. Und Jörg Haider war nie mehr als ein Karl Schnell. Und Jörg Haider war nie mehr als ein Heinz-Christian Strache. Und Jörg Haider war nie mehr als ein Martin Graf. Und Jörg Haider war nie mehr als eine Barbara Rosenkranz. Und Jörg Haider wird nie mehr sein als …

Heinz-Christian Strache gewinnt nur Stimmen. Karl Schnell gewinnt nur Stimmen. Martin Graf gewinnt nur  den NR-Präsidenten. Gerhard Dörfler gewinnt nur Stimmen. Barbara Rosenkranz gewinnt nur Stimmen.  … wird nur Stimmen gewinnen. Und Jörg Haider gewann nur Stimmen.

Aber niemand sagt deswegen, Heinz-Christian Strache sei ein großer Mann, oder Martin Graf sei ein großer Mann, oder Gerhard Dörfler sei ein großer Mann, oder Karl Schnell sein ein großer Mann, oder Barbara Rosenkranz sei eine große Frau, oder  …  Nur Jörg Haider soll deswegen ein großer Mann gewesen sein. Wer sich aber die Mühe macht darüber nachzudenken, was es heißt, tatsächlich Bleibendes für die Gesellschaft zu leisten, kommt nur zu einem Schluß, Jörg Haider hat nichts Bleibendes geleistet. Jörg Haider hat, wenn das als Leistungen gezählt werden will, bloß dazu beigetragen, Vorurteile zu verfestigen, das bequeme Denken weiter als Hauptkategorie österreichischer Politik auszubauen, die Gemeinheit und Gehässigkeit, die Verleumdung und die Schuldzuweisung als wesentliche Bestandteile österreichischer Politik zu zementieren. Wobei in Österreich von Politik nur gesprochen werden kann, wenn für die Länge eines Satzes großzügigst darüber hinweggesehen werden will, daß Politik in Österreich absolut reduziert ist auf Parteipolitik.

Für die Attraktivität von FPÖ und BZÖ für die Wähler und Wählerinnen sind also nicht ihre jeweiligen Führer verantwortlich, sondern wofür diese beiden Parteien, die eine Partei sind, stehen, was diese Partei inhaltlich transportiert. Und nur darum muß es in der Auseinandersetzung mit dieser Partei gehen. Denn ihre jeweiligen Führer sind nach einer Gewöhnungssekunde für die Wählerinnen und Wähler austauschbar. Die Partei bleibt weiter unverändert wählbar.

Die Wahl am 1. März 2009 brachte wieder einmal und nicht mehr zu Tage als, daß FPÖ und BZÖ nur eine Partei sind. Denn in Kärnten wird nur das BZÖ gewählt, weil in Kärnten das BZÖ die FPÖ ist. Und in Salzburg wird nur die FPÖ gestärkt, weil in Salzburg die FPÖ die FPÖ ist.

Und das ist das Erschreckende in Österreich, daß ein Gerhard Dörfler, wenn er Jörg Haider heißt, zu einer Größe hochgeschrieben wird, auch dann, wenn er je nichts anderes bringt und brachte, als hoch oben die erste »Sonderanstalt« nach 1945 zu errichten.

Posted in: Politik