Die Anmerkungen, ist voranzustellen, zu diesem neuen Verein beziehen sich in erster Linie einmal auf Informationen, die heute gelesen wurden auf Freidenkerbund.
Daß dieser von den wohl äußerst kleinen und wohl äußerst unbedeutenden Trägervereinen AHA, AG-ATHE und Freidenkerbund neue Verein sich nicht gleich Kirche der Moscheefreien oder Kalifat der Kirchefreien oder … nennt, könnte, um positiv zu beginnen, beinahe bescheiden genannt werden.
Womit alles Positive zu dieser Gründung aber schon gesagt ist.
Bereits die Überschrift auf Freidenkerbund, unter der über die Gründung dieses Zentralrates berichtet wird, ist anmaßend in der Art, wie diese vor allem von den Kirchen der verschiedenen Glaubensrichtungen gekannt wird.
Dieser Zentralrat vertritt entgegen seiner Propaganda nicht 1,8 Millionen, sondern, um ein Bekenntnis abzulegen, 1,8 Millionen minus 1. Es kann durchaus vermutet werden, daß es weitere in diesem Land geben wird, die nicht von einem Zentralrat vertreten werden wollen, der ungefragt und somit undemokratisch sich anmaßt, wie ein Vatikan, der Vertreter für alle zu sein, so daß geschrieben werden kann: dieser Zentralrat vertritt 1,8 Millionen minus n.
Wie von diesem kleinen Verein von drei kleinen Trägervereinen bereits im Titel behaupten werden kann, mit diesem Zentralrat hätten die 1,8 Millionen minus n endlich eine rechtliche Vertretung, werden diese Kardinalswürdenwütigen vor der Schlange Kirchen zu erklären haben, woher sie die Legitimation zur rechtlichen Vertretung haben, und noch mehr: sie werden zu belegen haben, wer und was diesen Zentralrat als rechtlichen Vertreter legitimiert, wie diese rechtliche Vertretung juristisch …
In diesem oben angeführten Bericht wird auch von Gleichberechtigung, von Verstaubtheit gesprochen, auch von einem frischen Wind, den dieser Zentralrat in die Debatte … Dafür ist zu danken; denn es erleichtert, einen Schlußsatz zu formulieren.
Ein Vereinskabinett der Konfessionsfreien ist, auch wenn es gerade erst gebaut wurde, so verstaubt wie jede Kirche und jede Moschee, aus dem auch kein frischer Wind in die Landschaften der Gesellschaft wehen wird, sondern in dem in der gleichen abgestandenen Luft der Kirchen und Moscheen Diskurse der Vergangenheit für sich in selbsternannter Wichtigkeit und zugleich in nicht selbsteingestandener Kleinheit mit der Litanei nach gleicher Berechtigung zur religiösen Führerschaft …
PS Prophetengleich verkünden diese Zentralräte den Ungläubigen, daß und wievel Steuern für Religionsgemeinschaften sie in jedem Jahr zu zahlen haben. Was für ein Argument.
Oder bereits mehr, ein Heilsversprechen, das ändern zu können. Und wer wird die Unwissenden über ihre steuerliche Mitfinanzierung der Subvention für diesen Zentralrat einst informieren; denn es kann mit Blick auf das vereinsorganisierte Österreich davon ausgegangen werden, daß bereits mit der Verabschiedung der heiligen Statuten auch ein Subventionsansuchen abgeschickt wurde.
Es wird ein anderer, ein weiterer Verein sein, vielleicht mit Namen Zentralrat der Steuerfreien zur Freude, keine Konfessionsvereine finanzieren zu müssen. So könnte in das Leben von jenen Menschen, die zu wenig verdienen, um Steuern entrichten zu müssen, auch ein wenig …

Heinz Oberhummer
24. Dezember 2009
Wir wollen unsere Meinung als Konfessionslose zu Fragen der vielfachen Privilegierungen der Religionen, die wir z.B. auch mitfinanzieren obwohl wir Ihnen nicht angehören, in die öäffentliche Diskussion einbringen. Der Begriff “kardinalswütig” ist sicherlich nicht angebracht,, weil wir zum Unterschied von der Macht der Kirche nur geringe finanzielle Mittel besitzen. Trotzdem ist es nie aussichtslos, wenn ein paar Idealisten auch gegen einen übermächtigen Gegner antreten.Wenn Sie die Meinung der Konfessionsfreien teilen, würden wir und sehr freuen, wenn Sie sich von uns nicht vertreten fühlen, bedauern wir das zwar sehr, wir werden aber trotzdem für die Rechte der Konfessionslosen eintreten.
Christoph Baumgarten
24. Dezember 2009
Der Kommentar basiert auf Uninformiertheit und einer Reihe irriger Annahmen. Der Zentralrat hat KEIN Subventionsansuchen gestellt. Er finanziert sich – im Gegensatz zu den Religionsgemeinschaften – ausschließlich über die Trägervereine, d.h. über FREIWILLIG geleistete Mitgliedsbeiträge.
Dass du gerne der katholischen Kirche einige hundert Euro in den Rachen wirfst und solcherart u.a. die katholische Indoktrination kleiner Kinder liebend gerne mitfinanzierst – dein Problem.
Wir behaupten nicht, das ohne weiteres lösen zu können. Wir werden aber Aufmerksamkeit dafür schaffen, dass Religionsgemeinschaften gegenüber allen anderen Weltanschauungs- oder sonstigen Gemeinschaften per Sondergesetz privilegiert sind.
Dann wäre da noch die Ebene der Gesetzesbegutachtungen, wo Religionsgemeinschaften etwa im schulischen Bereich auch Einfluss nehmen, wo ihre Interessen nicht berührt sind, Beispiel ist etwa der Ethikunterricht, den v.a. die röm-kath. Kirche unter ihre Kontrolle bringen will.
Dazu braucht es ein Gegengewicht. Ein Einzelkämpfertum Uninformierter wird herzlich wenig bringen. Es ist schon bisher gescheitert.
Ich könnte hier viele weitere Beispiele aufzählen, lass es aber.
Noch ein Argument: Gewerkschaften, Frauenrechtsorganisationen, Homosexuellen-Organisationen, Autofahrerklubs etc. vertreten ständig auch Interessen von Nicht-Mitgliedern. Darüber regt sich niemand auf, die meisten Betroffenen sind froh darüber. Dass es beim Zentralrat anders ist, der Probleme und mangelndes Bewusstsein ähnlich zu bekämpfen hat, wie Homosexuellen-Organisationen vor 20 Jahren, überrascht und verwundert. Einschüchtern lassen wir uns nicht davon.