Der Titel der Veranstaltung »Bildung gegen rechts«, um ein Beispiel aus der aktuellen Bildungsdiskussion zu nehmen, ist bereits der Boden, auf dem nichts wachsen kann. In diesen Titel ist das Scheitern eingeschrieben.
Denn Bildung kann niemals gegen etwas sein. Bildung kann niemals für etwas sein. Sich zu bilden, heißt u.v.a.m., sich umfassend auf die Welt vorzubereiten, um in ihr angemessen agieren, sich in ihr zurechtfinden zu können. Sich zu bilden, heißt u.v.a.m., Wissen zu erwerben, um scheinbar vorteilhaften Verlockungen widerstehen, Wahrheitskerne von Informationen freilegen zu können …
Und in dieser oben erwähnten Veranstaltung am 25. Mai 2009 wird es wohl wieder um die eine erhabene Frage gehen: wie sind die anderen zu bilden, die anderen, die nicht wir sind. Das heißt, die Gebildeten werden wieder einmal in von Bildung aufgeweichter Sprache Konzepte vorstellen, wie die Masse nach ihrem Bilde gebildet werden müsse, um die richtige Wahl zu treffen.
Aber es sind die sogenannten Bildungsnahen, die Fremdenfeindlichkeit zum Beispiel forciert der sogenannten Masse schmackhaft machen wollen, als Erklärung für die sie menschgemäß nicht zufriedenstellen könnenden Lebenssituationen.
Wer sind die Kreuzträger, beispielsweise des Rechtsextremismus? Es sind ebenfalls sogenannte Bildungsnahe.
Aber die sogenannten Bildungsnahen sehen das Problem so gerne bei den sogenannten Bildungsfernen. Aber diese Menschen nur als Bildungsferne zu führen, ist den sogenannten Bildungsnahen standesgemäß zu wenig: es müssen bildungsferne Schichten sein.
Es ist jedoch von ihnen äußerst oberflächlich und äußerst bildungsarm: ihr schauderwohliges Starren auf die Zahl, auf die bereits jetzt große Zahl derer, die beispielsweise in Österreich die Ein-Paar-Stiefel-Partei mit den Schäften FPÖ und BZÖ wählen und noch wählen werden.
Die Bildung ist soher keine Ursache. Verursacher aber sind die sogenannten und vor allem die männlichen Gebildeten, die stets das Gift mischen, mit dem, wenn es ganz schlimm kommt, eine Gesellschaft breitest vergiftet wird.
Aber die sogenannten Gebildeten der Entgiftungsabteilung können durchaus verstanden werden in ihrer Verklärung der Bildung: ihr Bild der Bildung würde verblassen, ihre eigene Bildung würde keinen Pfifferling mehr wert sein, sie könnten auf ihre eigene Bildung nicht mehr stolz sein, sie hätten für ihre bildungsnahen Diskurse keine bildungsfernen Schichten mehr.
Die Veranstaltung am kommenden Montag müßte also eher unter dem Titel stehen »Moral gegen Rechts – aber die Verhältnisse, die Verhältnisse, die lassen wir so!«

dieter
24. Mai 2009
An die Vergiftungstheorie glaube ich auch nicht, aber die Kritik an dem Bildungsmythos teile ich.
Welche konkreten Bildungsinhalte sind eigentlich gemeint? Was eint die so genannte bildungsnahe Schicht eigentlich? Welche Bildung haben ein Historiker, ein Elektrotechniker und ein Mediziner eigentlich gemein, um rechte Politik, was immer das aktuell auch ist, objektiv als falsch ablehnen zu können? Warum zählt die Bildung einer Diplomkrankenschwester oder eines Facharbeiters nicht?
Politik hat weniger mit objektiv verifizierbaren Fakten zu tun, sondern mit persönlicher Interessenslage, Bauchgefühl und subjektiven Wertungen.
Als deutsche Medizinstudenten nach Österreich strömten, da war die bildungsnahe Schicht aber plötzlich ganz fix in der Gegenwehr und im Finden von objektiv klingenden Gründen, warum das angeblich die medizinische Versorgung Österreichs ruinieren würde. (Grüne und FPÖ stimmten gegen die Quotenregelung)
Wo ist da der Unterschied zu bildungsfernen Einwanderungsgegnern? In der vornehmen und intellektuellen Ausdrucksweise?
Der große Fehler, der “Bildungsnahen gegen Rechts” ist, verständliche Partikularinteressen eines im Gemeindebau lebenden Bauarbeiters, dessen Sohn in die Hauptschule geht, in den Kontext einer rechten, ideologischen Verschwörung zu bringen und ihn als von Ideologen Verführten zu betrachten.
Hier gehen die Bildungsnahen einer Korrelation zwischen Bildung und Wahlverhalten auf dem Leim, die in keinem kausalen Zusammenhang steht. Bildungsnahe haben mehr Optionen in der Wahl der Schule ihrer Kinder, ihres Wohnorts und stehen am Arbeitsmarkt nicht in einer Konkurrenz mit Einwanderern.
Stauni
23. Mai 2009
Das Problem bei der Bildung ist, das diese durch “Gebildete” durchgeführt wird. Also der “Ungebildete”, der sich die Bildung erst aneignen muss, ist dem “Gebildeten” mehr oder weniger ausgeliefert. Er kann auch auf Grund seiner “Ungebildetheit” nicht beurteilen, ob er die “Bildung” subjektiv oder objektiv serviert bekommt.
Das sehe ich als Problem bei der “Bildung”
MfG
Stauni
Andy
23. Mai 2009
Also das wäre für mich absolut genial geschreiben, wenn es denn auch wirklich neutral wäre, ohne Seitenhieb auf irgendwas!